gefahrene Kilometer: 270 km
Ich habe geschlafen wie ein Stein. Der Schlafmangel während des Hinflugs, plus der Besuch der Hotelbar am gestrigen Abend haben ihren Tribut gefordert. Jetzt bin ich wieder fit und der Tag kann beginnen. Gegen 08:30 Uhr gibt es Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels. Jacke ist dort Pflicht, es ist neblig und es sind ca. 15 Grad Celsius. Valparaiso bzw. die Küste hier in der Gegend ist bekannt für diesen Morgennebel. Aus dem Hafenbereich hören wir die Nebelhörner, der dort vor Anker liegenden Schiffe, bis hoch auf unsere Frühstücks-Terrasse. Einige Tische auf der Terrasse sind überdacht und es hängen Wärmelampen über den Sitzbereichen. Das Frühstück ist gut, es gibt sogar frisch gepressten Orangesaft. Lecker!
Ich schreibe mit Julio und lasse mir noch mal bestätigen, dass er auch wirklich heute zu Hause ist. Die Bestätigung ist wichtig, da man von hier für die 135km heute mit „Montags-Verkehr“ gut zwei Stunden benötigt. Gegen 10:00 Uhr sitzen wir dann wieder zusammen auf Thomas Mietmaschine, der Kawasaki KLR 650. Es ist frisch. Ein Pullover ist Pflicht unter der doch recht dünnen Sommerjacke. Nach ca. einer Stunde müssen wir anhalten und den Pullover wieder ausziehen, ca. 100km von der Küste entfernt ist der Nebel weg und die Sonne brennt mit wieder mit 33 Grad Celsius. Gegen 12:00 Uhr mittags, nun ca. 24 Stunden später als ursprünglich geplant, treffen Thomas und ich am Wohnhaus von Julio ein. Mir melden uns beim Wachschutz bzw. Objektmanager an. Julio kommt aus dem Haus und begrüßt uns. Julio hat sich noch mal für die Verzögerung entschuldigt, aber das Auto der Tochter wurde gestern gestohlen und zerstört aufgefunden und er musste mit seiner Tochter zur Polizei. Dafür habe ich natürlich vollstes Verständnis.
Darf ich euch nun (endlich) meine neue chinesische Freundin vorstellen?
Geboren ist sie in der Nähe von Shanghai, der Name der in Ihrer Geburtsurkunde steht, lautet "CF moto 450 MT" aber sie hört auf den Namen "Mei Li“ Der Doppelname Mei Li setzt sich aus den chinesischen Zeichen für „schön“ und „anmutig“ zusammen, sodass man ihn am besten mit „wunderschön“ oder „sehr schön“ übersetzen kann .Jetzt noch schnell ein paar mitgebrachte Teile an der „CF moto 450 MT“ verbauen. Höhere Sitzbank, Tankrucksack, höhere Scheibe, einige Kabelanschlüsse für Navi, etc. werden nun montiert. Die abgebauten Teile, plus der mitgebrachte Koffer, bleiben hier und gehen in den Schrott. Danke an dieser Stelle noch mal an Martin von "Andes Adventure Bikes". Martin hat hier in Santiago de Chile den Kauf, die Zulassung auf meinen Namen, die notariellen Bestätigungen, die Versicherung und die Überführung zu Julio in die Garage professionell, schnell und gründlich durchgeführt.
Gegen 15:30 Uhr sind wir wieder zurück in Valparaiso. Kurze Pause, dann beginnen wir mit ein wenig „Sightseeing“ durch die Stadt. Vor der Eröffnung des Panamakanals war Valparaíso der erste größere Hafen, den Schiffe nach der Umfahrung von Kap Hoorn erreichten. Im 19. Jahrhundert war der Hafen einer der beiden bedeutendsten Häfen (neben Los Angeles) an der Westküste Amerikas. Vorbei an teilweise recht abenteuerlich am Hang gebauten Häusern erkunden wir die Stadt. Die Bauweise der Häuser ist einfach und der Zustand ist, sagen wir mal, „renovierungsbedürftig“. Es gibt an vielen Ecken Graffitis, Comics und gemalte Bilder an den Wänden, für diese „Streetart ist Valparaiso bekannt. Valparaiso ist auf mehreren Hügeln erbaut worden. 16 noch erhaltene, meist über hundert Jahre alte Ascensores-Aufzüge bzw. Standseilbahnen führen auf die wichtigsten Hügel. „Cerro Concepción“ heißt einer der Hügel. Hier gibt es viel der „Street Art“ Bilder zusehen. Vile Teile des Viertels gehören zum UNESCO Welterbe. Am Hafen angekommen, nutzen wir für den Rückweg die Standseilbahn „Ascensor Concepción“. Diese Bahn ist von 1883 und kostet nur 30 Eurocent Gebühr. Wir schlendern weiter durch die Gassen und suchen uns ein Restaurant mit Dachterrasse um unsere Tour durch Valparaiso zu beenden.
Im Hotel angekommen gehen wir noch kurz in die Hotelbar um nun endlich das Nationalgetränk Südamerikas zu probieren: Piso Sour! Der Pisco Sour ist Cocktail mit Pisco (Traubenschnaps), Limetten -oder Zitronensaft, Zucker und Eiweiß, der eine umstrittene Herkunft zwischen Chile und Peru hat; die peruanische Version ist oft mit Eiweiß und Angostura-Bitter, während die chilenische Variante manchmal ohne Eiweiß und Bitter auskommt und auch Zitronensaft statt Limette nutzt, wobei beide Länder Pisco herstellen. Nun ja, erinnert mich vom Grundgeschmack an den griechischen Raki, der Zitronensaft gibt dem Getränk eine sehr erfrischende Note, aber der „Eiweiß-Deckel“ ist jetzt nicht so mein Fall.
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