Montag, 2. Februar 2026

FAZIT zum Reiseabschnitt 7a => Santiago de Chile - Arica

 


Ich möchte an dieser Stelle, wie nach jedem Reiseabschnitt ein persönliches (subjektives) Fazit zur Reise benennen. Die Reihenfolge ist willkürlich gewählt und es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit

Das Motto: Staub. Trocken. ATACAMA! Ich hätte mit allem gerechnet, nur nicht mit REGEN. Die Atacama-Wüste ist einer der trockensten Orte der Welt, es regnet im Durchschnitt 1,3 Tage pro Jahr., 10 Millimeter pro Jahr. In Deutschland regnet es durchschnittlich ca. 800 Millimeter pro Jahr. Wir waren drei Tage in San Pedro de Atacama, an allen drei Tagen hat es geregnet. Zumindest ist es merkwürdig. Allerdings muss man sagen das San Pedro ja nur ein kleiner Punkt in der riesigen Wüste ist, wir sind den Rest der Strecke durch die Wüste gefahren, dort war es wirklich heiß und wirklich auch Staubtrocken. Insofern lasse ich das „Motto“ mal stehen.

Ist „Chile Nord“ langweilig? Ich hatte es ja bereits im „Intro“ geschrieben, die meisten Reisenden die die Panamericana von Nord nach Süd bereisen, lassen den nördlichen Teil Chiles aus. Nahezu alle Reisenden fahren (aus nördlicher Richtung kommend) im Süden Perus nach Bolivien über die Grenze und fahren dann weiter Richtung Süden durch Argentinien (und eben NICHT durch den Norden Chiles) um dann auf ihrer weiteren Reise grob bei Santiago de Chile wieder in Chile einzureisen. Somit verpassen die meisten die Atacama-Wüste in Chile. Der Norden Chiles wird in Reiseberichten des Öfteren, als landschaftlich „öde“ beschrieben wird. Kann ich das so bestätigen? Definitiv nein! Ich fand die Strecke/die Tour nicht langweilig/öde, man muss sich aber im Klaren sein, das man durch weitgehend vegetationslose Landschaften fährt und die Abwechslung in der Ausprägung von verschiedenen Wüstenformen (Stein, Sand, etc.) stattfindet. Ich war in jungen Jahren mit dem Motorrad in Tunesien und fühlte mich, hier in Chiles Norden, teilweise daran erinnert. Wenn man Wüste „mag“ ist die Strecke durchaus sehenswert. Wir hatten auf unserer Strecke tolle Erlebnisse, auch wenn diese nicht immer in der Rubrik „höher, weiter, schneller“ zu finden sind.

Die Highlights: Die Highlights waren u.a. für mich: das Containerhotel in Valparaiso, die Kupfermine Cuquicamata, das Kunstwerk „Mano de Desierto“ (die Hand der Wüste), der Nationalpark „Pan de Azucar“ die Touren rund um den „Salar de Atacama“, die (anstrengende) Tour zu den „El Tatio“- Geysiren und (am letzten Tag) die „lässige“ Atmosphäre am Strand von Arica. Zusätzlich bleibt mir die „Kleidungs-Müllkippe“ in der Nähe von Iquique sicher noch lange im Gedächtnis.

Die Strecke / die Straßen: Dadurch, dass ich ein eigenes Motorrad vor Ort besitze, hatte ich den Luxus, „oneway“ fahren zu können. Die meisten Motorradfahrer, die ich unterwegs getroffen habe, hatten Mietmotorräder. Mit einen Mietmotorrad muss man meistens eine kreisförmige Route wählen an den Startpunkt zurück. Ich erwähne das, da mir der Rückweg nach Santiago so erspart geblieben ist. Die doppelte Strecke durch die Wüste, also von Arica zurück nach Santiago, wäre mir vermutlich dann auch zu wenig abwechslungsreich gewesen. Insofern passte „oneway“ für mich voll und ganz. Die Straßen vor Ort hatten eine durchweg gute Qualität und waren gut fahrbar. Ausnahme bildet die Schotterstrecke zu den „El Tatio“-Geysiren. Die 80 km Strecke waren auf den letzten 30 km sehr anspruchsvoll. Rund um den „Salar de Atacama“ sind die Strecken nahezu ausnahmslos gewalzte Erdpisten bzw. Schotterstrecken, die bei Nässe schnelle „seifig“ werden können.

Das Wetter: Januar ist Hochsommer im Zielgebiet, der Temperaturbereich lag zwischen ca. Null Grad (bei den Geysiren auf ca. 4.300 Metern Höhe) und ca. 30-35 Grad Celsius im Nationalpark „Pan de Azucar“ und im Bereich Iquique bzw. Arica. Es hat an drei Tagen nachmittags (in San Pedro de Atacama) für ca. 30 Minuten heftig gewittert. Zusammenfassend ist es (wieder) eine Herausforderung für einen Temperaturbereich von 0-35 Grad Celsius Motorradklamotten einzupacken, da der Platz im Koffer begrenzt ist. Das Zwiebelprinzip hilft.

Persönliches Fazit: Es war in Summe eine tolle Tour, aber würde ich die Strecke noch einmal fahren wollen? Eher nein. Die Tour ist jetzt die zehnte Reise durch die „Amerikas“ mit dem Motorrad für mich und wenn ich die „leeren“ Gegenden im Norden Chiles mit Chiles Mitte vergleiche, hat mir der Bereich um die „Carretera Austral“ in der Mitte besser gefallen. Die dortige vorhandene Vegetation (vergleichbar mit Österreich bzw. Norwegen) empfinde ich, subjektiv, schöner zu (be)fahren.

Sonntag, 1. Februar 2026

Das (verbrauchte) Budget => wir reden mal (wieder) über Geld

 




Hier, wie immer am Ende einer Reise/eines Reiseabschnitts kommt die Gesamtabrechnung. Was hat mich die Reise gekostet, bzw. mit welchen Kosten müsst ihr bei einer vergleichbaren Reise rechnen. Die Unterteilung der Kosten betrifft die vier Blöcke Unterkunft, Benzin, Sonderausgaben und Ernährung.

Der Flug und das Motorrad sind NICHT mit in der Kostenaufstellung enthalten, da dies den Vergleich verzerren würde. Bei den Flügen kommt es stark darauf an wann ihr bucht und wie oft ihr Lust habt umzusteigen. Die Kosten für das Motorrad sind sehr subjektiv, der eine mietet, der andere bringt sein eigens Motorrad mit. Auch hier gibt es jeweils Preisunterschiede, die einen Vergleich verzerren würden

Fangen wir mit den Kosten für die Unterkünfte an. 12 Nächte in Hotels, davon habe ich drei Nächte die Rechnung allein übernommen, neun Nächte habe ich mir preislich mit Thomas geteilt. Wir haben immer in Hotels übernachtet, bei den Südamerikareisen verzichte ich/verzichten wir, aus Sicherheitsgründen, anders als in Nordamerika, auf Übernachtungen im Zelt. Die Unterkünfte hatten meist mittlere bis gute Qualität, wir hatten meist ein Doppelzimmer mit zwei Betten, ein eigenes Bad war immer dabei. Auch ein Frühstück war fast immer Bestandteil der Buchung. Durch mehrfaches („sportliches“) Umbuchen vor der Reise, wenn sich günstigere Preise bei mindestens gleicher Qualität zu erster Buchung, entwickelt haben, konnte ich einen Durchschnittspreis von ca. 45 Euro pro Übernachtung (pro Person) realisieren.

Thema Benzin: Der Liter Benzin kostet in Chile aktuell ca. 1,25 Euro. Benzin hat im ganzen Land den gleichen Preis, egal an welcher Tankstelle. Der Preis scheint staatlich vorgegeben zu sein, so zumindest meine Beobachtung bzw. Vermurung. Ich bin in Chile ca. 3.400 km während dieser Reise gefahren, die „CFmoto 450 MT“ hat grob im Schnitt 5,5 Liter verbraucht. Für die 3.400 km habe ich somit 187 Liter Benzin verbrannt, im Ergebnis stehen ca. 235 Euro auf der Benzin-Rechnung. Da ich die Durchschnittskosten pro Tag der Reise angebe, rechne ich die An und Abreisetrage und die Tage ohne Motorrad mit. Gesamt also fünfzehn Tage, im Durchschnitt über die 15 Tage sind es somit (gerundet) ca. 15 Euro pro Tag.

Sonderausgaben: Hier sind die Eintrittsgelder für Über-Taxis und diverse Eintrittsgelder und die Autobahngebühr in Chile zu nennen. Hier sind für mich ca. 150 Euro zusammengekommen. Bei 15 Tagen gerundet ca. 10 Euro pro Tag.

Letzter Punkt, wie immer bei meinen Auflistungen, ist die Verpflegung. Vorab der Hinweis, dass wir jeden Tag in Restaurants gegessen haben. Wenn man mit mehreren Personen reißt, so meine Erfahrung, isst man nicht „sparsam“ auf dem Zimmer, sondern geht meistens „aus“. Für diesen Urlaub, incl. Versorgung auf dem Flughafen während der An- bzw. Abreisetage, habe ich ca. 375 Euro ausgegeben, so dass ich hier im Schnitt pro Tag gerundet ca. 25 Euro ansetze.

Macht im Ergebnis ca. 95 Euro pro Tag an Ausgaben über die(se) gesamte Reise.

Ich muss aber dazu sagen das ich bei den anderen Reiseabschnitten allein unterwegs war, das verfälscht das notwendige Gesamtbudget somit ein wenig. Der Preis für die (allein) Übernachtung im Hotelzimmer würde dann im Schnitt um ca. 15-20 Euro pro Tag steigen. Kostensenkend würde bei (m)einer Alleinreise dann aber wirken, dass ich vermutlich das Essensbudget geringer ansetzen würde bzw. könnte. Ich würde dann eine geringere/günstigere Unterkunftsqualität wählen, so dass sich kein höheres Budget pro Tag, als die genannten 95 Euro, ergeben würde. Wenn ich das Hotelzimmer für den gesamten Urlaubszeitraum alleine zahle, bin ich meistens eher gewillt, auf Komfort zu verzichten.

Chile ist in Summe nicht supergünstig, allerdings sind Benzin und die Hotels (je nach Kategorie) vergleichsweise preiswert. Man bekommt Zimmer (sogar Einzelzimmer für eine Person) mit solider mittlerer Qualität (keine Absteigen!) ab ca. 20-30 Euro pro Person und Nacht, gute Qualität bekommt man ab ca. 40-50 Euro pro Person (incl. Frühstück). Wichtig: den „Kassenzettel“ (ja der sieht wirklich aus wie ein Kassenbon vom Aldi) den ihr bei der Einreise an der Chilenischen Grenze bekommt, gut aufheben und beim Hotel Check-in vorzeigen, dann bezahlt man als Tourist (wenn man in Dollar bezahlt) keine chilenische Mehrwertsteuer.

Im „Budget-Fazit“ würde ich sagen, dass ich während dieser Chile-Reise im Groben ca. 20% unter dem Schnitt der Reisen in Kanada/USA/Alaska lag (dort war der Schnitt ca. 120 Euro pro Tag). Nur Mexiko lag (bisher) mit ca. 80 Euro pro Person und Tag drunter. Im Ergebnis war diese, zehnte Motorradreise durch die „Amerikas“, die zweitgünstigste Reise bisher.

Freitag, 30. Januar 2026

Tag 13 => „Ende Gelände“ => Arica

Donnerstag, 29.01.26
gefahrene Kilometer: 0 km



Jetzt bin ich wieder ein normaler Tourist mit kurzer Hose und T-Shirt. Die Motorradklamotten haben vorerst ausgedient bzw. Pause. Der erste Tag in diesem Urlaub wo ich mir kleinen Wecker stelle.

Ich nutze den Vormittag um meine Reisetasche wieder zu entfalten und für den Weg nach Hause zu packen. Die große Reisetasche, ohne festen Taschenboden und ohne Alustange (nur darum ist sie „wickelbar“) zum hinterherziehen, hat mir nun schon mehrfach gute Dienste geleistet. Während der „Motorradphase“ rolle ich die Tasche zusammen und binde diese mit Gurten an den linken Tanksturzbügel. So habe ich immer eine große Reisetasche dabei, die Erfahrung hat gezeigt, dass in diese Art Reisetasche mehr reinpasst, als in die Motorrad-Gepäckrolle. Die Motorrad-Gepäckrolle liegt übrigens bei Ab -und Abreise unten, flach gefaltet, in der Reisetasche. Nachdem alles wieder für den Rückweg „fluggerecht“ verpackt ist, kümmere ich mich darum. wo das Motorrad nach meiner Abreise, verbleiben bzw. stehen darf. Ich muss vier Tage überbrücken. Richtig muss es heißen, WIR müssen vier Tage überbrücken, da ich abreise und Wolfgang vier Tage später hier im Hotel anreißt, um von hier aus mit „Mei Li“ die nächsten zwei Monate und ca. 10.000 km zusammen zu verbringen. Heißt im Klartext: Wolfgang, mein Motorrad-Teilungspartner, übernimmt in wenigen Tagen die „CFmoto 450 MT“ genau in diesem Hotel. Ich frage die Mitarbeiter der Rezeption, ob das Motorrad hier ohne meine Anwesenheit ca. vier Tage stehen bleiben darf bis Wolfgang übernimmt. Die Mitarbeiter wollen das nicht entscheiden und rufen ihren Boss an. Alles gut, das Motorrad darf bleiben, allerdings werden 5 Euro Standgebühr pro Tag berechnet. Das ist fair, das zahle ich gern. Ich dachte erst es wären 50 Euro pro Tag, aber das konnte schnell geklärt werden, meine „ausbaufähigen“ Spanischkenntnisse haben für ein falsches Verständnis meinerseits gesorgt.

Mittlerweile ist es ca. 14:00 Uhr, die Tasche ist gepackt, das Motorrad ist versorgt, der Stellplatz ist geklärt. Nun möchte ich mir noch ein wenig die Stadt anschauen. Ca. 30 Minuten Fußweg und man ist (immer Richtung Hafen gehen) in der Innenstadt. Bereits nach zehn Minuten Fußweg komme ich an einer großen Einkaufsmall vorbei. Die könnte von den Ausmaßen her auch in Europa oder den USA stehen. Ich gehe hinein, checke ein wenig welche Geschäfte es so vor Ort gibt und versorge mich im Essensbereich der Mall mit einem Mittagessen. Auch ein „Lidar“ Supermarkt ist vorhanden. Ich wundere mich über das Markenzeichen des Supermarktes, das kenne ich doch von irgendwo her? Im Supermarkt steht dann auf einigen Waren „Walmart“ geschrieben. Also doch, gleiches Zeichen, anderer Name. Nach der Mittagspause gehe ich weiter in die Stadt, immer an der Wasserseite entlang. Es ist Stau, gut das ich zu Fuß unterwegs bin. In der Stadt ist am Wochenende eine Karnevalsveranstaltung, viele Straßen sind jetzt schon gesperrt, daher auch die Staus in der Stadt. Ich sehe nagelneue, kleine Linienbusse, die deutlich leiser sind, als die kleinen alten Stadtbusse. Des Rätsels Lösung: es sind Elektrobusse, die Busse sind nicht von MAN oder Mercedes, sondern alle von einer Chinesischen Marke, die nicht kenne. Mich beschleicht das Gefühl das europäische Marken mal wieder den Anschluss verlieren, die chinesischen Marken durchdringen den Markt (auch hier) immer mehr. Immerhin ist die alte Dampflok (Baujahr 1924), die in der Nähe des Marktplatzes ausgestellt ist und die früher den Zug die 457km lange Strecke von Arica nach La Paz (Bolivien) zog, in der „Maschinenfabrik Esslingen“ gebaut worden.

Der Hausberg Aricas, der „Morro“ liegt mitten in der Stadt. Man kann dort auf einen Aussichtspunkt hoch, ich bleibe aber unten in der Stadt. Ich gehe über den Marktplatz (Plaza Colon) in Richtung Innenstadt. Am Plaza Colon steht die Kirche „Inglesia San Marcos“. Die Kirche wurde 1875 als Fertigbau-Eisenkonstruktion erreichtet. Die Säulen in der Kirche sind aus massivem Gusseisen. Der Architekt der Kirche, bis dahin eher unbekannt, sollte 14 Jahre durch den Bau eines Turmes weltbekannt werden. Der Name des Architekten? Gustave Eiffel.

Der Rest der Stadt ist schnell durchlaufen. Es gibt eine Hauptstraße, an der links und rechts jede Menge Shops für allerlei Krimskrams liegen, eine kleine Gasse mit Kneipen und Restaurants und die erwähnte kleine Fußgängerzone. Das war es dann auch schon. Ich wollte eigentlich in der Stadt noch einen Kaffee trinken, aber es ist so heiß, dass ich mich auf dem Rückweg wieder in die „gut durchlüftete“ Einkaufsmall rette und dort noch ein Eis esse. Gegen 17:00 Uhr bin ich zurück im Hotel, ich ziehe mich noch kurz um und gehe um Strand, eigentlich entschlossen noch ins Wasser zu gehen. Warum eigentlich? Ich habe dann doch darauf verzichtet. Die Menschen liegen zwar am Strand, aber niemand geht in das Wasser. Ich gehe bis zu den Knien rein, der einzige Badegast neben mir ist ein Pelikan. Ich sehe eine rote Flagge am Haus der Badeaufsicht wehen und beschließe das Wasser zu verlassen. Ich möchte meinen Schutzengel, der letzten zwei Wochen, nicht überfordern und am letzten Tag hier evtl. noch absaufen. Es wird Gründe haben warum die Einheimischen nicht ins Wasser gehen. In Reiseführern habe ich vorab mehrfach gelesen das die Strömungen hier an den Küsten nicht „ohne“ sind.

Ich entscheide mich dann, am letzten Abend, für eine risikoärmere Aktion. Ich gehe in die Sportsbar nebenan, genieße ein letztes eiskaltes Bier, und schaue mir den Sonnenuntergang an. Ich gehe früh schlafen, morgen gegen 05:30 Uhr sitze ich dann im Uber-Taxi zum 17km entfernten Flughafen von Arica. Die 12 Tage vor Ort, davon 10 Tage auf dem Motorrad, waren ereignisreich und sind mal wieder viel zu schnell vergangen. Ich sage an dieser Stelle „Tschüss“, bis zur nächsten Reise, in Südamerika, mit dem Motorrad.

Es folgt, „Budget“ und „Fazit“

Donnerstag, 29. Januar 2026

Tag 12 => Peru in Sichtweite! => Iquique – Arica

Mittwoch, 28.01.26
gefahrene Kilometer: 400 km




Der letzte aktive Fahrtag beginnt. Ich lasse es etwas langsamer angehen als sonst um fahre erst gegen 10:00 Uhr vom Hotel los. Mein erster Stopp ist ein Besichtigungspunkt der nachdenklichen Art. Ca. 20 km von Iquique entfernt, mitten in der Wüste, liegt eine der größten Mülldeponien für gebrauchte Kleidung der Welt. Chile ist einer der größten Importeure von Altkleidern in Lateinamerika und Iquique ist die Drehscheibe. Die besten Stücke werden ausgesucht und von den Importeuren weiterverkauft. Was nicht weiterverkauft wird, landet in der Wüste. Bis zu 20 Tonnen alter Kleider landen so in der Wüste – pro Tag. Und das seit Jahren. In die Wüste kippen ist halt billiger als es ordnungsgemäß in Müllverbrennungsanlagen zu verbrennen. Denkt an diese Umweltverschmutzung, wenn ihr demnächst mal wieder billige Kleidung in China bestellt.

Beim nächsten Stopp beschäftige ich mit der „Salpeter-Vergangenheit“ von Chile. Salpeter aus Chile war im 19. und frühen 20. Jahrhundert als natürlicher, stickstoffhaltiger Dünger und Rohstoff für Sprengstoffe von enormer weltweiter Bedeutung. Der Rohstoff wurde auch „Chile-Salpeter“ genannt. Salpeter wart zur damaligen Zeit so wichtig, dass sogar Krieg um diesen Rohstoff geführt wurde. Chile kämpfte von 1879 bis 1884 im sogenannten Salpeterkrieg gegen Peru und Bolivien. Peru und Bolivien verloren den Krieg und Anteile ihres jeweiligen Landes. Bolivien ist z.B. seitdem ein Binnenstaat, da Bolivien die Regionen um die Städte Iquique und Arica an Chile abgeben mussten. Allerdings hat Bolivien aufgrund des Friedensvertrags Freihafenrechte und das Recht zu zollfreiem Warentransit über Arica und Iquique behalten.

So, genug der Erklärung, Ich besichtige jetzt zwei ehemalige Salpeterdörfer, die nebeneinanderliegen: Humberstone und Santa-Lara, mitten in der Atacama-Wüste. Hier wurde gelebt und gearbeitet. Es gibt Wohnbaracken, Theater, Kino, Schwimmbad, ein Krankenhaus, einen Tennisplatz, alles was man zum Leben und Arbeiten benötigte. Fast alles steht offen und kann besichtigt werden, teilweise werden mit Lebensgroßen Puppen, Alltagssituationen nachgestellt. Ich wundere mich das man hier frei herumlaufen kann, überall liegen rostige Teile herum, es gibt Löcher in die man hineinfallen könnte, scharfe Blechkanten sind ebenfalls vorhanden. Es ist fast nichts abgesperrt. Ich vermute mal in Deutschland würde das so frei nicht funktionieren.

Die Santa-Laura-Salpeterwerke wurden 1872 gegründet. Damals gehörte die Region noch zu Peru. Seit 1883, nach dem Salpeterkrieg gehört die Region zu Chile. Bereits 1889 gehörten die Humberstone-Werke zu den größten Salpeterwerken in Chile. Anfang der 1920er Jahre brach der Salpetermarkt nach der Einführung der in Deutschland entwickelten Ammoniak-Synthese zusammen. Nun konnte industrieller Salpeter aus Ammoniak gewonnen werden. Der Absatz von Salpeter wurde ab diesem Zeitpunkt immer schwieriger, viele Arbeiter wurden entlassen. Humberstone wurde 1961 geschlossen. Die Santa-Laura-Salpeterwerke wurden bereits 1960 geschlossen. Heute sind die beiden Werke „Lost Places“.

Nach ca. zwei Stunden Herumlaufens in der Hitze habe ich genug gesehen und fahre weiter. Ca. 200 km vor Arica wechselt die Landschaft. Ich verlasse die Ebene und es geht in kurvigen Straßen durch rot schimmernde Berge. Während der Fahrt sehe ich immer mal wieder sogenannte „Scharrbilder“ (auch Geoglyphen genannt) in den Bergen. Die originalen, antiken Scharrbilder sind großflächige Erdzeichnungen, die an Berghängen oder in der Wüste zu sehen sind. Sie stammen hauptsächlich aus dem 9. bis 16. Jahrhundert n. Chr. Diese bestehen aus aufgeschütteten Steinen oder durch Entfernen der dunklen Oberflächenschicht entstandenen helleren Linien im Boden. Sie stellen oft Lamas, Menschen oder geometrische Muster dar. Die weltweit bekanntesten Geoglyphen sind u.a. die Nasca-Linien in Peru.

Ca. 25 km vor erreichen von Arica fängt meine Maschine an zu stottern. Kein Sprit mehr. Es gibt auf den ca. 310 km Strecke zwischen Iquique und Arica KEINE Tankstelle! Diesmal war ich allerding vorbereit und habe meinen Benzinschlauch vor Abfahrt gefüllt. Ich halte an und fülle die knapp 4 Liter Reserve-Benzin in den Tank von „Mei Li“. Es ist nachmittags als ich Arica erreiche. Da ich noch Zeit habe, beschließe ich die ca. 25 km bis an die peruanische Grenze zu fahren, somit war ich dann an der Nord -und an der Südgrenze des Landes, wenn auch nicht innerhalb einer Reise. Ich kann das Grenz-Gebäude sehen, wenige Meter vorher ist die letzte Möglichkeit umzudrehen. Ich drehe um und fahre zu meinem Hotel. Gegen 18:00 Uhr ist es dann soweit. Nach 3.400 Kilometern und zehn echten Fahrtagen, fahre ich die letzten Meter dieser Reise und parke mein Motorrad im Innenhof des „Puerto Chinchorro Hotels“ ein. Von außen sieht das Hotel in „die Jahre gekommen aus“ was sich aber innen als Trugschluss erweist. Moderne Zimmer und ein angenehmes Ambiente mit Innenhof erwarten mich. Das Hotel liegt mehr oder weniger direkt am Strand, man muss nur eine Straße überqueren, dann ist am breiten Sandstrand. Ich bin überrascht das es hier in Arica (ca. 250.000 Einwohner) einen so großen Sandstrand gibt, weiter im Süden waren die Strände ja überwiegend felsig und oftmals auch nicht zu Fuß erreichbar. Es gibt eine kleine Promenade, genau neben dem Hotel gibt es Foodtrucks und eine Handvoll Restaurants bzw. Kneipen. Ich ziehe mich um, gehe an den Strand und lasse den Abend in einer der Kneipen nebenan ausklingen. Einen Grund, zum Feiern nach erfolgreichem Abschluss der Motorradstrecke, habe ich ja.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Tag 11 => Abschied => San Pedro de Atacama – Tocopilla – Iquique

Dienstag, 27.01.26
gefahrene Kilometer: 485 km




Wir verlassen unser „Basislager“ der letzten Tage, die „CKOI Atacama Lodge“. Es war sehr angenehm nicht jeden Tag packen und weiter zu müssen, aber nun ist es auch hier wieder soweit. Thomas und ich fahren über Calama nach Tocopilla. Es geht von Calama aus, über eine kleine Landstraße, die „Ruta 24“ in Richtung Westen, an die Küste. Kurz hinter Calama, eine ca. 25 km lange Baustelle. Der Verkehr ist einspurig, wir müssen ewig an den Baustellenampeln warten und „verplempern“ so locker eine Stunde mit warten. Die Landschaft ist immer noch sandig, steinig, Wüste. Auf hunderte von Kilometern wächst hier kein Halm. Von Calama aus geht es innerhalb von ca. 100 km Strecke, von 3.000 Meter Höhe, auf null Meter runter. Das merkt man deutlich, es wird immer heisser, je weiter wir an Höhe verlieren. Im kleinen Ort Tocopilla, an der Küste grob in der Mitte zwischen Antofagasta und Iquique gelegen, trennen sich die Wege von Thomas und mir. Das war von Anfang der Reise so geplant, Thomas fährt nun seine Mietmaschine zurück nach Santiago de Chile um sie dort, nach Beendigung der Reise, wieder abzugeben. Ich fahre weiter nach Norden, in die nördliche Stadt Chiles, nach Arica. Arica liegt direkt an der Grenze von Chile nach Peru.

Thomas und ich tanken in Tocopilla noch unsere Maschinen voll, verabschieden und fahren dann jeweils in „unsere“ Richtungen. Ich fahre über gut 250km an der Küste entlang. Die Straße lässt sich gut fahren, es geht direkt am Meer entlang. Links das Meer, rechts zieht sich eine Bergkette entlang. Die Straßen-Qualität ist überwiegend gut, der Verkehr ist gering. Die meisten Fahrzeuge nehmen die Autobahn, die Ruta 5, die etwas weiter im Inland verläuft. Die „Ruta 1“ an der Küste ist aber landschaftlich definitiv die bessere Wahl. Die Strände sind überwiegend felsig, die Wellen rau, es riecht nach Algen und Meer. Je weiter ich in Richtung Norden komme, je sandiger wird es in den Bergen. Auf meinen 250 km Strecke, sehe ich nur eine Handvoll Menschen am Strand, überwiegend Angler oder Fischer. Was ich aber leider (zu) oft sehe ist Müll. Überwiegend Glas und Plastikflaschen. Haltebuchten, Strandzugänge, immer voller Müll. Wahnsinn, soviel Natur und kein Umweltbewusstsein. Ich denke heute lange darüber nach, warum das Meschen hier vor Ort so sorglos mit ihrer Natur umgehen. Gegen 18:00 Uhr erreiche ich Iquique. Die Stadt ist locker 10 Kilometer lang, ich quäle mich durch den Verkehr.

Iquique könnte auch "Miami Beach“ sein. Der Strand der über 10 km langen Stadt ist gut besucht, überall Handtücher und Sonnenschirme...nur NIEMAND (!) geht richtig ins Wasser zum Schwimmen, einige "harte" trauen sich nur wenige Meter rein, wenn überhaupt ...die Wellen sind (zu) heftig und das Wasser ist eiskalt. Gegen 19:00 Uhr beziehe ich mein Hotel, das „NH Iquique Costa“. Das Hotel ist recht nah am Wasser hat einen Pool und ist mit 60 Euro pro Nacht, für diese Hotelqualität, ziemlich günstig. Es ist noch sehr heiß, heute springe ich mal, das erste Mal auf dieser Reise, in den Hotelpool und kühle mich ab. Ende für heute…



Dienstag, 27. Januar 2026

Tag 10 => Besichtigung der Kupfermine Cuquicamata

Montag, 26.01.26
gefahrene Kilometer: 200 km



Heute ist der Tag der „geplanten“ Trennung von Thomas und mir. Thomas wollte heute, über die Anden, nach Argentinien fahren, meine Pläne führen mich weiter nach Norden. Allerdings wird aus den Plänen von Thomas nichts. Mehrere Andenpässe sind aufgrund Schneefalls gesperrt, zusätzlich regnet es auf der anderen Seite der Anden, in Argentinien, heftig. Thomas baut seine Pläne um und bleibt noch einen Tag länger in San Pedro de Atacama. Diesen Luxus kann er sich leisten, da durch seine Planänderung, in Chile zu bleiben und nicht nach Argentinien rüber zu fahren, in den nächsten Tagen weniger Kilometer auf dem Plan stehen.

Mein Plan bleibt bestehen, ich fahre heute ca. 100 km zurück nach Calama und schaue mir die dortige Kupfermine an. Die Mine Cuquicamata ist die größte Kupfermine der Welt, Chile ist der größte Kupferproduzent der Welt. Ich habe mich schon vor mehreren Wochen zu dieser Tour heute angemeldet. Die Touren sind kostenlos, beliebt und oftmals schon Wochen vorher ausgebucht.

Treffen ist in Calamata in Besuchszentrum des Minenbetreibers „Codelco“.Nach kurzer Einweisung, Ausgabe von Helm und Warnweste und Erklärung der Regeln die wir zu beachten haben, steigen wir in einen großen Bus und fahren nacheinander vier Stopps ab. Der imposanteste Stopp ist direkt am Tagebau. Das "Loch" der Mine (Tagebau) Cuquicamata ist 6,5 km lang, 3,5 km breit und 1,1 km tief. 12.000 Arbeiter fördern hier 190.000 Tonnen reines Kupfer pro Jahr.

Interessant auch der "Lost Place" auf dem Minengelände: Eine komplette Stadt (incl. Theater, Krankenhaus, Kirche, Banken, Hotel, etc.) in der 25.000 Menschen (...die Arbeiter und ihre Familien) bis 2007 gelebt haben. Aufgrund zunehmender Vergiftung der Umgebung durch Staub der umliegenden Abraumhalden wurde die Stadt bis 2007 komplett geräumt und die Bewohner in das nahe gelegene Calama umgesiedelt.

Nach ca. drei Stunden ist die Besichtigungstour beendet und unser Bus trifft wieder im Besucherzentrum ein. Ich fahre die 100 km wieder zurück nach San Pedro de Atacama zurück und bin gegen 16:30 wieder im Hotel. Ich lasse den Nachmittag bei einem Kaffee auf der Hotel-Terrasse entspannt ausklingen und treffe hier auch meinen Mitfahrer wieder. Thomas war heute hier in der Gegend, im „Valle de la Luna“ unterwegs. Am Abend gehen wir zum letzten Mal in die kleine und staubige (die Straßen sind nicht befestigt oder gepflastert) Stadt. Morgen brechen wir, nach nun vier Nächten hier vor Ort, dann von hier auf und fahren weiter.