Donnerstag, 29. Januar 2026

Tag 12 => Peru in Sichtweite! => Iquique – Arica

Mittwoch, 28.01.26
gefahrene Kilometer: 400 km




Der letzte aktive Fahrtag beginnt. Ich lasse es etwas langsamer angehen als sonst um fahre erst gegen 10:00 Uhr vom Hotel los. Mein erster Stopp ist ein Besichtigungspunkt der nachdenklichen Art. Ca. 20 km von Iquique entfernt, mitten in der Wüste, liegt eine der größten Mülldeponien für gebrauchte Kleidung der Welt. Chile ist einer der größten Importeure von Altkleidern in Lateinamerika und Iquique ist die Drehscheibe. Die besten Stücke werden ausgesucht und von den Importeuren weiterverkauft. Was nicht weiterverkauft wird, landet in der Wüste. Bis zu 20 Tonnen alter Kleider landen so in der Wüste – pro Tag. Und das seit Jahren. In die Wüste kippen ist halt billiger als es ordnungsgemäß in Müllverbrennungsanlagen zu verbrennen. Denkt an diese Umweltverschmutzung, wenn ihr demnächst mal wieder billige Kleidung in China bestellt.

Beim nächsten Stopp beschäftige ich mit der „Salpeter-Vergangenheit“ von Chile. Salpeter aus Chile war im 19. und frühen 20. Jahrhundert als natürlicher, stickstoffhaltiger Dünger und Rohstoff für Sprengstoffe von enormer weltweiter Bedeutung. Der Rohstoff wurde auch „Chile-Salpeter“ genannt. Salpeter wart zur damaligen Zeit so wichtig, dass sogar Krieg um diesen Rohstoff geführt wurde. Chile kämpfte von 1879 bis 1884 im sogenannten Salpeterkrieg gegen Peru und Bolivien. Peru und Bolivien verloren den Krieg und Anteile ihres jeweiligen Landes. Bolivien ist z.B. seitdem ein Binnenstaat, da Bolivien die Regionen um die Städte Iquique und Arica an Chile abgeben mussten. Allerdings hat Bolivien aufgrund des Friedensvertrags Freihafenrechte und das Recht zu zollfreiem Warentransit über Arica und Iquique behalten.

So, genug der Erklärung, Ich besichtige jetzt zwei ehemalige Salpeterdörfer, die nebeneinanderliegen: Humberstone und Santa-Lara, mitten in der Atacama-Wüste. Hier wurde gelebt und gearbeitet. Es gibt Wohnbaracken, Theater, Kino, Schwimmbad, ein Krankenhaus, einen Tennisplatz, alles was man zum Leben und Arbeiten benötigte. Fast alles steht offen und kann besichtigt werden, teilweise werden mit Lebensgroßen Puppen, Alltagssituationen nachgestellt. Ich wundere mich das man hier frei herumlaufen kann, überall liegen rostige Teile herum, es gibt Löcher in die man hineinfallen könnte, scharfe Blechkanten sind ebenfalls vorhanden. Es ist fast nichts abgesperrt. Ich vermute mal in Deutschland würde das so frei nicht funktionieren.

Die Santa-Laura-Salpeterwerke wurden 1872 gegründet. Damals gehörte die Region noch zu Peru. Seit 1883, nach dem Salpeterkrieg gehört die Region zu Chile. Bereits 1889 gehörten die Humberstone-Werke zu den größten Salpeterwerken in Chile. Anfang der 1920er Jahre brach der Salpetermarkt nach der Einführung der in Deutschland entwickelten Ammoniak-Synthese zusammen. Nun konnte industrieller Salpeter aus Ammoniak gewonnen werden. Der Absatz von Salpeter wurde ab diesem Zeitpunkt immer schwieriger, viele Arbeiter wurden entlassen. Humberstone wurde 1961 geschlossen. Die Santa-Laura-Salpeterwerke wurden bereits 1960 geschlossen. Heute sind die beiden Werke „Lost Places“.

Nach ca. zwei Stunden Herumlaufens in der Hitze habe ich genug gesehen und fahre weiter. Ca. 200 km vor Arica wechselt die Landschaft. Ich verlasse die Ebene und es geht in kurvigen Straßen durch rot schimmernde Berge. Während der Fahrt sehe ich immer mal wieder sogenannte „Scharrbilder“ (auch Geoglyphen genannt) in den Bergen. Die originalen, antiken Scharrbilder sind großflächige Erdzeichnungen, die an Berghängen oder in der Wüste zu sehen sind. Sie stammen hauptsächlich aus dem 9. bis 16. Jahrhundert n. Chr. Diese bestehen aus aufgeschütteten Steinen oder durch Entfernen der dunklen Oberflächenschicht entstandenen helleren Linien im Boden. Sie stellen oft Lamas, Menschen oder geometrische Muster dar. Die weltweit bekanntesten Geoglyphen sind u.a. die Nasca-Linien in Peru.

Ca. 25 km vor erreichen von Arica fängt meine Maschine an zu stottern. Kein Sprit mehr. Es gibt auf den ca. 310 km Strecke zwischen Iquique und Arica KEINE Tankstelle! Diesmal war ich allerding vorbereit und habe meinen Benzinschlauch vor Abfahrt gefüllt. Ich halte an und fülle die knapp 4 Liter Reserve-Benzin in den Tank von „Mei Li“. Es ist nachmittags als ich Arica erreiche. Da ich noch Zeit habe, beschließe ich die ca. 25 km bis an die peruanische Grenze zu fahren, somit war ich dann an der Nord -und an der Südgrenze des Landes, wenn auch nicht innerhalb einer Reise. Ich kann das Grenz-Gebäude sehen, wenige Meter vorher ist die letzte Möglichkeit umzudrehen. Ich drehe um und fahre zu meinem Hotel. Gegen 18:00 Uhr ist es dann soweit. Nach 3.400 Kilometern und zehn echten Fahrtagen, fahre ich die letzten Meter dieser Reise und parke mein Motorrad im Innenhof des „Puerto Chinchorro Hotels“ ein. Von außen sieht das Hotel in „die Jahre gekommen aus“ was sich aber innen als Trugschluss erweist. Moderne Zimmer und ein angenehmes Ambiente mit Innenhof erwarten mich. Das Hotel liegt mehr oder weniger direkt am Strand, man muss nur eine Straße überqueren, dann ist am breiten Sandstrand. Ich bin überrascht das es hier in Arica (ca. 250.000 Einwohner) einen so großen Sandstrand gibt, weiter im Süden waren die Strände ja überwiegend felsig und oftmals auch nicht zu Fuß erreichbar. Es gibt eine kleine Promenade, genau neben dem Hotel gibt es Foodtrucks und eine Handvoll Restaurants bzw. Kneipen. Ich ziehe mich um, gehe an den Strand und lasse den Abend in einer der Kneipen nebenan ausklingen. Einen Grund, zum Feiern nach erfolgreichem Abschluss der Motorradstrecke, habe ich ja.

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