Donnerstag, 22. Januar 2026

Tag 5 => Anreise Atacama, Teil 2 => La Serena – Caldera

Mittwoch, 21.01.26
gefahrene Kilometer: 440 km




Gegen 09:00Uhr sitzen wir auf unseren fertig bepackten Motorrädern und fahren kurz zu dem ca. 2km entfernten Strand von „La Serena“. Wir wollen natürlich den Strand von „Chiles Rimini“ mal sehen. Der Strand zieht sich kilometerlang, es ist immer noch diesig, viel los ist noch nicht. Weiter geht es. Nun machen wir den ersten Fehler des Tages: wir tanken in der Stadt nicht voll. Wir denken, da kommen sicher noch Tankstellen außerhalb der Stadt, das sind wir ja von zuhause auch so gewohnt. Da kam aber nichts mehr, ca. 7 km vor der der nächsten Tankstelle bleibe ich ohne Benzin auf der „Ruta 5“ liegen. Das ärgerliche daran ist, das sowohl Thomas als auch ich Ersatzbehälter für Benzin aus Deutschland mitgebracht haben. Thomas muss also mit dem Benzinkanister (in diesem Fall ist es eher ein Benzinschlauch) losfahren und mir Sprit besorgen. Der ganze Spaß dauert gut eine Stunde, da die einzige Tankstelle, die in der Nähe ist, auf der anderen Seite der „Ruta 5“ liegt und die Distanzen zum Wenden, zwischen den Abfahrten, sind lang. Ab sofort wird nur noch mit gefüllten Benzinschlauch gefahren! Die ersten 200km des Tages fahren wir die autobahnähnliche „Ruta 5“ (Panamericana). Wie schon gestern müssen wir alle ca. 80 km Maut zahlen, jedes Mal ca. 1 Euro pro Motorrad, das ist sehr fair. Hinter den Kassenhäuschen stehen Mitglieder des örtlichen Rettungsdienstes und sammeln Spenden. Da bin ich gern dabei, ein funktionierender Rettungsdienst in dieser weiten und stellenweise einsamen Region ist wichtig.

Im Ort Huasco kommt dann die ersehnte Tankstelle. Der kleine Ort hat sogar zwei Tankstellen. Die Tankstellen sind sehr voll, da alle Reisenden hier „durch“ müssen, alle müssen hier tanken. Diese beiden Tankstellen ziehen alle an wie die „Motten das Licht“, leider auch mehrere teilweise sehr aufdringliche Bettler und merkwürdige Gestalten. Wir wechseln uns ab mit dem Besuch des Tankstellenshops um Getränke zu organisieren, hier lassen wir die Motorräder, bzw. die aufgeschnallten Taschen, garantiert nicht allein. Die zweite Hälfte unserer Tagesetappe, weitere 200 km, fahren wir auf der landschaftlich schönen „Ruta C-10“, der „Ruta del Desierto“ (Wüstenroute). Die Straße entspricht einer kleinen (asphaltierten) Landstraße, fährt durch Wüstenlandschaften der „Region Atacama“, und führt immer wieder an Stränden und kleineren Orten (die überwiegend aus Ferienhäusern bestehen) vorbei. Die Straße ist sehr abgelegen und einsam, ich sehen auf ca. 150km keine Tankstelle, keine Lebensmittelläden, etc. An manchen Stränden sehen wir vereinzelt Zelte von „Wildcampern“. Die Sonne brennt mittlerweile erbarmungslos mit ca. 35 Grad Celsius. Heute muss somit die mitgebrachte Sonnencreme „ran“. Wir ziehen unsere Jacken aus und gehen ans Wasser. Wir lassen alles am Motorrad (außer Pass, Geldbörse und Handy) da hier ja fast niemand anwesend ist, der etwas klauen könnte und zu den paar Strandgästen, die unter ihren Schirmen am Strand sitzen, habe ich Vertrauen, die haben sicher kein Interesse an einem Helm und einer Motorradjacke. Wir fahren ein paar Kilometer weiter, dann halten wir wieder an, Thomas lässt die mitgebrachte Drohne steigen. Drohne auspacken, starten, filmen, Fotos machen, etc., einpacken, etc. dauert schon mal 45 Minuten, da sollte es man nicht ganz so eilig haben. Mein nächster Stopp ist ein Schild auf dem vor Guanakos gewarnt wird, die hier die Straße queren. Da mache ich doch gern mal ein Foto. Es folgt das zweite „Lowlight“ des Tages. Die Maschine steht nicht wirklich schräg (genug) auf dem Seitenständer, zack, den Rest besorgt der Wind, das Motorrad liegt auf der rechten Seite. Thomas ist gerade nicht anwesend, da er an anderer Stelle ein Foto macht. Ich versuche das Motorrad allein aufzuheben. Keine Chance, allein und mit dem aufgeschnallten Gepäck funktioniert das nicht. Ein Autofahrer hält an und fragt mich ob er helfen kann. Das nehme ich gern an. Zu zweit ist „Mei Li“ in wenigen Minuten wieder aufgerichtet. „Schadendmeldungen an die Brücke“: der rechte Koffer ist etwas zerkratzt, der rechte Sturzbügel hat ein paar Kratzer, der Plastik-Handschützer rechts ebenfalls. Naja, wird nicht das letzte Mal gewesen sein, so etwas kommt auf Reisen halt vor, zumal hier unten der Wind nicht immer dein Freund ist.

18:00 Uhr, wir kommen in Caldera an. Wir beziehen das Hotel „Montecarlo“, welches einen schönen begrünten Innenhof hat. Nach dem Bezug unseres Hotels gehen wir in die Stadt. Caldera hat ca. 18.000 Einwohner, es gibt einen kleinen Strand und einen, für die Region, wichtigen Hafen der auch den Hauptteil der Arbeitsplätze in der Stadt bietet. Die kleine Promenade am Hafen hat ein paar Restaurants, hier ist sogar ein wenig „was los“. Aus den Restaurants hört man Musik, an der Promenade gibt es einige fliegende Händler und Eisverkäufer. Wir gehen in das „Entre Jotes“, ein Restaurant im „Mexiko-Stil“, beenden hier den Tag und füllen hier unsere persönlichen „Körper-Batterien“ wieder auf. Morgen geht es dann weiter in Richtung Norden…

Mittwoch, 21. Januar 2026

Tag 4 => Anreise Atacama, Teil 1 => Valparaiso – La Serena

Dienstag, 20.01.26
gefahrene Kilometer: 430 km




Heute lassen wir es etwas langsamer angehen. Ich montiere noch eine Lenkererhöhung und eine zusätzliche Topcasetasche plus einer Sturzbügeltasche an meinem Motorrad. Ein letztes Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels in Valparaiso, dann rollen wir gegen 11:00 Uhr aus der Tiefgarage des Hotels. Wir müssen heute nur „ankommen“, größere Stopps stehen nicht im Programmheft des heutigen Tages, daher konnten wir heute mal etwas später losfahren, Zile ist „La Serena“, ca. 430 km nördlich von Valparaiso gelegen. Nach ca. 5 km halten wir kurz in „Vina del Mar“ auch bezeichnet als die „schöne Schwester“ von Valparaiso. Hier gibt es Sandstrände und schicke Hotels, während man in Valparaiso, wegen der ausgedehnten Hafenanlage, nicht an die Wasserlinie kommt bzw. es dort keinen Strand gibt (soweit ich das erkennen konnte). Wir bleiben nur ca. 15 Minuten für einen kurzen Blick, dann geht es weiter. Ich drücke den Startknopf, nichts passiert, die Batterie von „Mei Li“ geht in die Kniee. Das ist jetzt ziemlich doof, aber wir hatten bereits in der Tiefgarage von Julio bemerkt (wir mussten das Motorrad bei der Abholung mit einer Powerbank starten) dass er es mit dem aufladen der Batterie nicht so ernst genommen hat, heißt: er hat sie überhaupt nicht geladen. Kurz warten, noch mal Anlasser Knopf gedrückt, funktioniert. Puuh, Glück gehabt, ich werde das Thema weiter beobachten. 

Weiter geht es, die ersten 100km fahren wir eine Art Bundesstraße. Nicht sonderlich attraktiv, Industrie prägt das Landschaftsbild. Nach ca. 100 km wechselt die Landschaft, man kann links das Meer zwischen schroffen Felsen erkennen, die Welen sind derart hoch, das hier an Baden nicht zu denken ist. Zwischen den Felsen sind attraktive Häuser gebaut, alle mit großen Fensterfronten mit Meerblick. Wir würden gern von der Hauptstraße an das Meer abbiegen, aber hier ist alles umzäunt, nahezu alle Häuser sind zu größeren Wohnanlagen zusammengefasst, die ausnahmslos mit Zaun, Tor, Wachschutz und Pförtner bzw. Objektmanager ausgestattet sind. Keine Chance, alles privat hier. Wir wechseln auf die „Routa 5“, der Panamericana. Diese Autobahn ähnliche Strecke führt uns in Richtung Norden, immer am Meer entlang. Die Landschaft wechselt wieder, es wird trockener, gelbe, leicht bergige, Graslandschaften prägen nun das Bild. Wir haben Glück, hier gibt es tatsächlich einige Strandabschnitte, die sogar an der Autobahn ausgeschildert sind und die man auch mit Fahrzeugen anfahren bzw. erreichen kann. Am „Playa Amarillo“ verlassen wir die Autobahn und gehen kurz zum Strand. Der Strand ist riesig, die wenigen Besucher haben jeweils hunderte Meter um ihr Strandhandtuch herum für sich allein. Zwei harte Burschen sind im Wasser. Ich erwähne das, weil die Wassertemperatur (wir haben Hochsommer auf der Südhalbkugel!) hier nur max. 15 Grad beträgt. Nett anzusehen, aber „eisenkalt“. Weiter geht es auf der „Routa 5“. Im Abstand von ca. 100km müssen wir Autobahnmaut bezahlen. Sehr fair, jedes Mal ca. einen Euro für unser Motorrad. 

Gegen 19:00 Uhr kommen erreichen wir die Stadt Coquimbo/La Serena. Die Städte sind mittlerweile nahezu zusammengewachsen und haben zusammen ca. 450.000 Einwohner. Wir stehen erstmal im Stau, alle quälen sich durch und in die Stadt. Zwischen den Städten liegt ein ca. 8km langer Sandstrand. Neben „Vina del Mar“ gehören die beiden Städte zu den beliebtesten Badeorten in Chile. Aber nicht vergessen (siehe oben) max. 15 Grad Wassertemperatur! Um 19:30 Uhr beziehen wir unsere heutige Unterkunft. Unser Hotel „Francisco de Aguirre“ ist jetzt nicht unbedingt der „Knaller“, aber es ist günstig, liegt mitten in der Stadt und hat (sehr gut) eine Tiefgarage für unsere Motorräder. Wir gehen noch kurz in die Stadt, essen eine Kleinigkeit und fallen gegen 23:00 Uhr in unsere Betten.

  

Dienstag, 20. Januar 2026

Tag 3 => Motorradabholung Frank + Santiago de Chile – Valparaiso

Montag, 19.01.26
gefahrene Kilometer: 270 km





Ich habe geschlafen wie ein Stein. Der Schlafmangel während des Hinflugs, plus der Besuch der Hotelbar am gestrigen Abend haben ihren Tribut gefordert. Jetzt bin ich wieder fit und der Tag kann beginnen. Gegen 08:30 Uhr gibt es Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels. Jacke ist dort Pflicht, es ist neblig und es sind ca. 15 Grad Celsius. Valparaiso bzw. die Küste hier in der Gegend ist bekannt für diesen Morgennebel. Aus dem Hafenbereich hören wir die Nebelhörner, der dort vor Anker liegenden Schiffe, bis hoch auf unsere Frühstücks-Terrasse. Einige Tische auf der Terrasse sind überdacht und es hängen Wärmelampen über den Sitzbereichen. Das Frühstück ist gut, es gibt sogar frisch gepressten Orangesaft. Lecker!

Ich schreibe mit Julio und lasse mir noch mal bestätigen, dass er auch wirklich heute zu Hause ist. Die Bestätigung ist wichtig, da man von hier für die 135km heute mit „Montags-Verkehr“ gut zwei Stunden benötigt. Gegen 10:00 Uhr sitzen wir dann wieder zusammen auf Thomas Mietmaschine, der Kawasaki KLR 650. Es ist frisch. Ein Pullover ist Pflicht unter der doch recht dünnen Sommerjacke. Nach ca. einer Stunde müssen wir anhalten und den Pullover wieder ausziehen, ca. 100km von der Küste entfernt ist der Nebel weg und die Sonne brennt mit wieder mit 33 Grad Celsius. Gegen 12:00 Uhr mittags, nun ca. 24 Stunden später als ursprünglich geplant, treffen Thomas und ich am Wohnhaus von Julio ein. Mir melden uns beim Wachschutz bzw. Objektmanager an. Julio kommt aus dem Haus und begrüßt uns. Julio hat sich noch mal für die Verzögerung entschuldigt, aber das Auto der Tochter wurde gestern gestohlen und zerstört aufgefunden und er musste mit seiner Tochter zur Polizei. Dafür habe ich natürlich vollstes Verständnis.

Darf ich euch nun (endlich) meine neue chinesische Freundin vorstellen?
Geboren ist sie in der Nähe von Shanghai, der Name der in Ihrer Geburtsurkunde steht, lautet "CF moto 450 MT" aber sie hört auf den Namen "Mei Li“ Der Doppelname Mei Li setzt sich aus den chinesischen Zeichen für „schön“ und „anmutig“ zusammen, sodass man ihn am besten mit „wunderschön“ oder „sehr schön“ übersetzen kann .Jetzt noch schnell ein paar mitgebrachte Teile an der „CF moto 450 MT“ verbauen. Höhere Sitzbank, Tankrucksack, höhere Scheibe, einige Kabelanschlüsse für Navi, etc. werden nun montiert. Die abgebauten Teile, plus der mitgebrachte Koffer, bleiben hier und gehen in den Schrott. Danke an dieser Stelle noch mal an Martin von "Andes Adventure Bikes". Martin hat hier in Santiago de Chile den Kauf, die Zulassung auf meinen Namen, die notariellen Bestätigungen, die Versicherung und die Überführung zu Julio in die Garage professionell, schnell und gründlich durchgeführt.

Gegen 15:30 Uhr sind wir wieder zurück in Valparaiso. Kurze Pause, dann beginnen wir mit ein wenig „Sightseeing“ durch die Stadt. Vor der Eröffnung des Panamakanals war Valparaíso der erste größere Hafen, den Schiffe nach der Umfahrung von Kap Hoorn erreichten. Im 19. Jahrhundert war der Hafen einer der beiden bedeutendsten Häfen (neben Los Angeles) an der Westküste Amerikas. Vorbei an teilweise recht abenteuerlich am Hang gebauten Häusern erkunden wir die Stadt. Die Bauweise der Häuser ist einfach und der Zustand ist, sagen wir mal, „renovierungsbedürftig“. Es gibt an vielen Ecken Graffitis, Comics und gemalte Bilder an den Wänden, für diese „Streetart ist Valparaiso bekannt. Valparaiso ist auf mehreren Hügeln erbaut worden. 16 noch erhaltene, meist über hundert Jahre alte Ascensores-Aufzüge bzw. Standseilbahnen führen auf die wichtigsten Hügel. „Cerro Concepción“ heißt einer der Hügel. Hier gibt es viel der „Street Art“ Bilder zusehen. Vile Teile des Viertels gehören zum UNESCO Welterbe. Am Hafen angekommen, nutzen wir für den Rückweg die Standseilbahn „Ascensor Concepción“. Diese Bahn ist von 1883 und kostet nur 30 Eurocent Gebühr. Wir schlendern weiter durch die Gassen und suchen uns ein Restaurant mit Dachterrasse um unsere Tour durch Valparaiso zu beenden.

Im Hotel angekommen gehen wir noch kurz in die Hotelbar um nun endlich das Nationalgetränk Südamerikas zu probieren: Piso Sour! Der Pisco Sour ist Cocktail mit Pisco (Traubenschnaps), Limetten -oder Zitronensaft, Zucker und Eiweiß, der eine umstrittene Herkunft zwischen Chile und Peru hat; die peruanische Version ist oft mit Eiweiß und Angostura-Bitter, während die chilenische Variante manchmal ohne Eiweiß und Bitter auskommt und auch Zitronensaft statt Limette nutzt, wobei beide Länder Pisco herstellen. Nun ja, erinnert mich vom Grundgeschmack an den griechischen Raki, der Zitronensaft gibt dem Getränk eine sehr erfrischende Note, aber der „Eiweiß-Deckel“ ist jetzt nicht so mein Fall.

Montag, 19. Januar 2026

Tag 2 => Santiago de Chile – Motorradabholung Thomas - Valparaiso

Sonntag, 18.01.26
gefahrene Kilometer: 135 km



Nach 13 Stunden setzt die Maschine pünktlich am Flughafen Santiago de Chile auf. Ich konnte einige Stunden in der Nacht schlafen, muss aber gestehen, dass ich sehr froh war, dass ich einen Platz am Gang hatte. Die ersten 2-3 Stunden des Flugs waren zudem sehr kurzweilig, da ich nette Gespräche mit meinem Sitznachbarn Oliver führen konnte. Oliver ist Bergsteiger und ist nach Chile gekommen und mit einem Team gemeinsam den Aconcagua (der sich kurz hinter der chilenischen Grenze in Argentinien befindet) zu besteigen. Der Aconcagua ist der mit 6.962 Metern der höchste Berg außerhalb Asiens. Es war sehr spannend was Oliver aus der Bergsteigerszene berichtet hat, zumal ich mit solchen Themen noch nie in Berührung gekommen bin. Kurz vor der Landung zeigt sich der Aconcagua bei strahlemden Sonnenschein auf der linken Seite unseres Flugzeuges während des Landeanfluges. Die Abwicklung der üblichen Prozesse am Flughafen (Passkontrolle, Gepäck einsammeln, Geldautomat suchen, Handykarte aktivieren) hat ca. eineinhalb Stunden gedauert und verlief reibungslos. Kurz vor der Passkontrolle habe ich dann auch meinen Mitfahrer Thomas wiedergetroffen, der mit der IBERIA Maschine aus Madrid angekommen ist, welche ca. 20 Minuten nach meiner Maschine gelandet ist. Gemeinsam mit Thomas gehe ich zum Flughafenbereich nach draußen, wo die UBER-Taxis abfahren, Thomas fährt von hier zu seinem Motorradverleiher und ich fahre zu Julio, der meine Maschine seit einigen Monaten untergestellt hat. Ich hatte Julio gestern noch informiert, dass ich pünktlich ankommen werde.

Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreiche ich die Adresse die mir Julio genannt hat. Das Haus ist durch einen großen Zaun und einen 24 Stunden Wachdienst bzw. einen Objektmanager gesichert. Ich stelle mich also beim Objektmanager vor, dieser ruft Julio in seinem Appartement an…und er erreicht ihn nicht. Merkwürdig, ich hatte mich doch bei Julio angemeldet. Ich rufe Julio per Handy an, als er sich meldet teilt er mir mit, dass es einen Notfall in der Familie gab und er wegmusste, er wurde aber am Abend wieder zuhause sein.

Was nun? Ich rufe Thomas an, er steht gerade beim Verleiher und übernimmt sein Mietmotorrad. Wir diskutieren einige Möglichkeiten und beschließen dann das ich per UBER-Taxi zum Verleiher zu Thomas fahre, ich aber nur das nötigste an Gepäck mitbringe und ich somit mein Gepäck bei Julio bzw. dem Objektmanager der Wohnanlage belasse. Dank google-Übersetzer (der Objektmanager spricht kein Englisch und ich nahezu kein Spanisch) konnte ich meinem Plan nun dem Objektmanager erklären. Nun (wieder) ein UBER-Taxi bestellt und zu Thomas gefahren. Thomas ist bereits mitten in der Übergabe seines Motorrades, wir quatschen noch ein wenig mit Ana, der Chefin des Motorrad Verleihs. Ich habe eine kleine Tasche, mit dem Nötigsten, aus meinem zurückgelassenen Gepäck zusammengestellt. Zusammen mit meinem Rucksack muss das reichen, bis ich mein Motorrad endlich abholen kann.

Wir bepacken die Mietmaschine von Thomas (Kawasaki KLR 650) und machen und auf den Weg in das ca. 135km entfernte Valparaiso. Die Kawasaki fährt mit uns beiden und dem Gepäck an mancher Steigung auf der Autobahn nur noch 100 km/h aber es funktioniert. Wir kommen ohne Ausfälle oder weitere Probleme in Valparaiso an. Hoch über der Stadt liegt unser Hotel das „Winebox Valparaiso“. Das Hotel ist echt stylisch, es besteht ausschließlich aus übereinander gestapelten See-Containern. Der Blick auf die Bucht und den Hafen ist Traumhaft. In unserem Zimmer hängt eine Tasche an der Wand, in der Ferngläser für die Gäste sind. Nettes Hilfsmittel zum „Schiffe gucken“ Keine 100 Meter entfernt ist ein kleines Restaurant, wirkt familiengeführt und hat Wohnzimmer-Charakter. Wir gehen in das Restaurant und für ca. 20 Euro pro Person gibt es leckeren Backfisch inklusive Kaffee und Kuchen. Die Portionen die wir bekommen sind mehr aus ausreichend. Im Gastraum ist ein riesiges Fenster mit erstklassigem Blick auf die Bucht und die Frachtschiffe die dort ankern. Die Hanglange hier in Valparaiso ist wirklich vorteilhaft für den Blick „in die Ferne“

Eigentlich würden wir uns jetzt wieder in unsere Motorradklamotten „werfen“, zurück nach Santiago fahren und mein Motorrad (endlich) einsammeln. Doch daraus wird nichts. Julio hat eben geschrieben das sein „Notfall“ länger dauert und er nicht vor Mitternacht zuhause ist. Na toll! Neuer Abholtermin ist dann morgen früh 10:00 Uhr. Sehen wir es positiv: unser Hotel hat eine Bar ganz oben auf dem Dach, wir haben einen Gutschein für einen Welcome Drink bekommen und wir haben für die ganze Anreisethematik mit Abholung der Motorräder, etc. einen Tag Reserve eingeplant. Gehen wir also in die „Roof-Top Bar“, regen uns nicht auf (wir können es eh nicht ändern) und gehen die Sache etwas relaxter an. Immerhin sind wir am Meer und es sind über 30 Grad. Es gibt schlechtere Orte um einen Tag im Januar bzw. Winter zu verbringen. Gegen 18:00 Uhr öffnet die Hotelbar auf dem Dach unseres Hotels. Da der Anreisetag doch recht anstrengend war und uns noch der Flug in den Knochen steckt, beschließen wir heute nicht mehr in die Stadt zu gehen, sondern in der Dach-Bar den Tag ausklingen zu lassen. Die Entscheidung war genau richtig. Wir treffen dort Oliver, den Bergsteiger, wieder. Oliver hatte sich, auf meinen Hinweis hin, auch hier im Hotel niedergelassen. Da sehr viele Busse regelmäßig von Santiago de Chile aus, hier nach Valparaiso fahren (Fahrpreis für die 135 km ca. 10 Euro) , war Oliver sogar vor uns im Hotel. Gemeinsam genießen wir die Aussicht und einige Kaltgetränke. Die Bar schließt um 22:30 Uhr.

Reicht hin für heute, Gute Nacht!

Samstag, 17. Januar 2026

Tag 1 => „START“ der Tour => Staub. Trocken. ATACAMA! => Anreise Hamburg/Madrid - Santiago de Chile

Samstag, 17.02.26
gefahrene Kilometer: 0 km





In den letzten Wochen habe ich mich, wie immer, auf die Tour vorbereitet. Wobei die Strecke und die dazu gehörigen Hotels schon vor Monaten geplant wurden. In den letzten Wochen war meine Hauptaufgabe dann, diverse Packlisten und Notizzettel der letzten Touren zu checken und auf dieser Grundlage zu entscheiden, was den in die Koffer „darf bzw. muss“. Das ist jetzt die 10. Motorradreise im Kontext " zwischen Alaska und Feuerland", daher sollte mir diese Aufgabe eigentlich leichtfallen, aber ich habe mir noch vor keiner Reise so einen Kopf gemacht welche Motorradjacke ich während der Reise anziehe. Tagsüber wird es um die 30 Grad. Morgens, wenn wir sehr früh zu unseren Tageszielen aufbrechen, kann es unter null Grad sein. Da habe ich nun sieben Motorradjacken im Schrank für " brettheisses bis eiskaltes Wetter" aber weiß nicht was ich anziehen soll. Im Ergebnis habe ich noch wenige Stunden vor der Abreise noch einmal „Modenschau“ zuhause gespielt und mich erst kurz vor Abfahrt dann endgültig für das (hoffentlich) passende Modell entschieden. Ob ich auf das richtige Pferd bzw. die richtige Jacke gesetzt habe, werde ich dann allerdings erst vor Ort merken.

Wer hätte das gedacht, die Zeit seit meiner letzten Motorrad-Reise verging doch (gefühlt) recht zügig. Gestern dann noch ein ziemlich aufwendiger Zahnarztbesuch (Vollkornbrötchen, Zahn zerbröselt, Puh, gut das das nicht im Urlaub passiert ist…was bin ich erleichtert das das noch „repariert“ werden konnte) aber nun geht es los:

Staub. Trocken. ATACAMA!

Diesmal ist, für die Anreise zum Flughafen Hamburg, die Bahn das Mittel der Wahl. Das hat mir allerdings in den letzten zwei Wochen echt schlaflose Nächte bereitet. Letztes Wochenende war der Norden Deutschlands von heftigem Schneefall betroffen, es lag soviel Schnee wie seit 15 Jahren nicht mehr. Prompt wurde auch, am besagten vorherigen Wochenende, der Zugverkehr in Norddeutschland komplett eingestellt, am Hamburger Flughafen sind zig Flüge ausgefallen. Ich wäre an dem besagten Wochenende niemals zu meinem Flieger gekommen (wenn der denn geflogen wäre). Nun, nur ein Wochenende später ist der Schnee wieder weggetaut und der Bahnverkehr rollt wieder annähernd (natürlich mit den üblichen Verspätungen die man mittlerweile ja fest einplanen muss) normal. Ich starte früh morgens am Bahnhof meines Heimatortes Helmstedt. Die Anreise war etwas mühsam, da ich zwei Gepäckstücke á 23 kg dabeihabe. Wie immer, wenn ich ein Motorrad neu übernehme, bzw. ausrüste, habe ich einen zusätzlichen Koffer voll Motorradspezifischer Dinge dabei. In diesem Fall eine Tankrucksack, eine höhere Sitzbank, eine Tourenscheibe, eine Grundausstattung an Werkzeug, Packtaschen und eine Grundausstattung an Improvisationsmaterial. Was ich diesmal nicht dabei habe ist eine Campingausstattung, da ich in Südamerika aus persönlichen Sicherheitsgründen auf Hotels setze (die übrigens in Südamerika auch relativ preiswert, zumindest preiswerter als in den USA und Kanada, sind). Wolfgang, mein „Motorrad-Teilungspartner“, wird bei seiner nächsten Anreise nach Chile dann eine zusätzliche Campingausstattung mit „rüber“ bringen. Wolfgang campt gern, bevorzugt „wild“

Ich komme gegen 12:00 Uhr mittags am Flughafen Hamburg an. Ich hatte für meine Bahnanreise drei Stunden Reserve eingeplant, Boarding ist gegen 15:00 Uhr, ich kann es also gemütlich angehen lassen. Ich fliege heute das erste Mal mit IBERIA (Hamburg-Madrid) bzw. LATAM (Madrid-Santiago de Chile). Ich hätte auch ab Berlin oder Frankfurt nach Madrid fliegen können, allerdings haben die Flüge von dort nur jeweils 90 Minuten Umsteigezeit in Madrid und da ich gern MIT Gepäck ankomme, habe ich diesmal auf drei Stunden Umsteigezeit gesetzt, um dem Gepäck mehr Zeitreserve für das Umladen zwischen den Flugzeugen zu geben. Nach drei Stunden Flug ab Hamburg setzt der Airbus A320 sanft in Madrid zur Landung an. 4 Grad Celsius, leichter Regen. Ich dachte hier, im Süden Europas, wäre es schon etwas wärmer als bei uns zu Hause. Ich niste mich am Flughafen Madrid für ca. zwei Stunden auf einer Sitzecke bei einem bekannten „Burger-Brater“ ein, schreibe ein paar Zeilen für diesen Tagesbericht und begebe mich dann zum Gate, zu meinem „LATAM-Flieger“

Übrigens: LATAM ist die größte Fluggesellschaft Südamerikas, ich habe bereits gute Erfahrungen mit dieser Fluggesellschaft auf kürzeren Strecken in Südamerika sammeln können, daher war LATAM dieses Mal meine Wahl. Diese Kombination biete bietet nämlich einen entscheidenden Vorteil: IBERIA bzw. LATAM fliegen direkt, ohne Umstieg, von Europa nach Chile. Bei den anderen bekannten Airlines ist auf dem Hinweg in Südamerika meist ein Umstieg notwendig und darauf hatte ich diesmal keine Lust, auch wenn der Direktflug eine Flugzeit von ca. 13,5 Stunden bedeutet. Die Nacht verbringe ich hoch über dem Atlantik…

 

 

 

Donnerstag, 1. Januar 2026

INTRO Südamerika => Abschnitt 7a.

 


 

Der südliche Teil Chiles wurde ja bereits im Rahmen des Abschnitts 7 von mir befahren, jetzt ist der Norden Chiles „dran“. Mittlerweile versuche ich, für jede Reise ein passendes Motto zu finden. Ich habe mich dieses Mal für das Motto: Staub. Trocken. ATACAMA! entschieden. Mehr Details zu DEM Haupt-Reiseziel dieser Tour, dann während der Reise. Nur so viel vorab: die Atacama-Wüste gilt als der trockenste Ort der Welt.


Bezüglich dieses Reiseziels ist mir, beim lesen mehrerer Motorrad-Reiseberichte, aufgefallen, dass die meisten Reisenden die Panamericana von Nord nach Süd bereisen, und dass fast alle Reisenden den nördlichen Teil Chiles dabei auslassen. Nahezu alle Reisenden fahren (aus nördlicher Richtung kommend) im Süden Perus nach Bolivien über die Grenze und fahren dann weiter Richtung Süden durch Argentinien (und eben NICHT durch den Norden Chiles) um dann auf ihrer weiteren Reise grob bei Santiago de Chile wieder in Chile einzureisen. Somit verpassen die meisten die Atacama-Wüste in Chile. Evtl. liegt es daran das der Norden Chiles des Öfteren, in Reiseberichten, als landschaftlich „öde“ beschrieben wird. Ich werde im Fazit dann berichten ob ich diese Meinung teile.


Ich hatte ursprünglich geplant Chiles Norden allein zu bereisen, Thomas hat sich aber kurzfristig entschlossen wieder dabei zu sein. Welcome back! Thomas kennt ihr bereits, er war schon beim Reiseabschnitt 7 dabei und hat auch schon jeweils „Lady Blue“ und „Lady orange“, im Rahmen der Nordamerika-Touren, als „Überführungsfahrer“ bewegt. 

Jetzt fehlen uns (Thomas und mir) eigentlich nur noch geeignete Motorräder für die Tour, der Plan bezüglich unserer Zweiräder ist folgender: Thomas mietet sich vor Ort ein Leihmotorrad, für mein Motorrad ist das Intro dazu etwas länger…

Ihr erinnert euch (siehe Reiseabschnitt 7) an mein Treffen mit Martin in Santiago de Chile während meiner letzten Reise? Martin ist ein deutscher Motorradreisender, der nach seiner Reise auf der Panamericana in Chile geblieben ist. Martin hat eine Firma gegründet die das Problem „beseitigt“ das alle Ausländer in Chile haben, wenn sie ein Motorrad/Fahrzeug hier kaufen möchten. Als Ausländer braucht man z.B. eine chilenische Sozialversicherungsnummer zum Kauf eines Fahrzeuges. Die bekommt man als Ausländer aber nur als „Investor“…und wenn man ein Motorrad kauft, ist man Investor. Vorteil: ein Fahrzeug mit chilenischem Kennzeichen darf ewig im Land bleiben, so könnten wir die Maschine hier auf Jahre benutzen und zwischendurch einlagern. Einzige Regel, die den Käufer bzw. mich bei meinen weiteren zukünftigen Plänen etwas ausbremst: Das Chilenische Motorrad darf das Land zwar verlassen muss aber spätestens nach 6 Monaten wieder in Chile sein, sonst gibt es „Mecker“ bzw. Strafe vom chilenischen Zoll. 

Trotz dieser Einschränkung haben Wolfgang und ich uns in Chile, wieder zusammen (wie schon beim Kauf der beiden Kawasakis), ein Motorrad gekauft. Der Kauf wurde bereits ca. ein halbes Jahr vor Anreise abgewickelt um bei eventuellen Lieferschwierigkeiten oder bürokratischen Hürden auch wirklich ein Motorrad zum Tourstart „ready to go“ zu haben. Eine Einlagerung des Motorrades vor Ort in Santiago de Chile, vom Kauf bis zu meiner Anreise, war/ist problemlos möglich. Infos zu Marke und Typ zu meiner neuen „Freundin“ gibt es dann während der Reise…