Dienstag, 3. November 2026

FAZIT zum Reiseabschnitt 7b => Eine intensive Woche => Valparaiso/Chile – Colonia del Sacramento/Uruguay

 

 




Diese Reise war die kürzeste der inzwischen elf Etappen, gemessen an der Strecke. Rund 1.800 Kilometer haben wir in nur drei Fahrtagen zurückgelegt. Mit An- und Abreise waren wir insgesamt acht Tage unterwegs. Kurz war die Tour also, aber keineswegs ruhig: Sie war intensiv und wird uns sicher lange in Erinnerung bleiben. Das bestimmende Thema war der geschlossene Paso Los Libertadores. Schon Wochen vor der Reise hatten wir täglich Wetterberichte geprüft, nach möglichen Ausweichpässen gesucht und die Lage beobachtet. Der Pass war immer wieder einige Tage geschlossen und anschließend geöffnet. Bereits während unserer Anreise nach Valparaíso zeichnete sich ab, dass die Situation sich täglich ändern kann. Dieses ständige Beobachten und Planen war zwar anstrengend, gehörte am Ende aber genauso zu dieser Reise wie das Fahren selbst.

Das landschaftliche Highlight war eindeutig der Paso Los Libertadores – und besonders die rund 100 Kilometer auf argentinischer Seite. Das rötliche Gestein und die Schluchten erinnerten mich stark an Arizona oder Nevada in den USA. Ab der Region Mendoza wurde die Landschaft dagegen deutlich eintöniger. Über viele hundert Kilometer prägen eher karge Büsche und Agrarflächen das Bild. Unser erster Gedanke zu Argentinien ist, dass dieses große Land für Motorradfahrer vor allem eher entlang der Anden besonders reizvoll ist. Orte und Regionen wie Mendoza, San Carlos de Bariloche oder weiter nördlich Salta (alle Orte liegen auf der Westseite Argentiniens in Andennähe) stehen dafür beispielhaft. Bei den Orten dieser Tour bleibt Valparaíso, Los Andes und Colonia del Sacramento in Erinnerung: Valparaiso ist ganz nett, aber auch ziemlich abgerockt. Wer noch nicht dort war, kann sich die Stadt durchaus ansehen, sollte jedoch keinen besonders gepflegten Ort erwarten. Los Andes war dagegen ein angenehmer, entspannter Zwischenstopp für unseren Warte Tag am Pass, kein großes touristisches Highlight, aber ideal, um die Zeit unkompliziert zu überbrücken. Besonders gefallen hat uns aber Colonia del Sacramento in Uruguay. Der kleine Ort mit portugiesischer und spanischer Vergangenheit, seinen kolonialen Gebäuden, Cafés und engen Gassen lädt zum Bummeln ein. Ein Aufenthalt von ein oder zwei Tagen lohnt sich sicherlich.

Das Wetter war besser als erwartet. Am Pass erlebten wir innerhalb weniger Stunden Temperaturen zwischen minus einem und plus 30 Grad. Meist lagen die Werte tagsüber bei angenehmen 20 bis 25 Grad, morgens und abends war es deutlich kühler. Das Zwiebelprinzip, bei der Wahl der Kleidung, war daher unverzichtbar. Auch mehrere Paar Handschuhe (bei mir vier verschiedene) in unterschiedlichen Stärken mitzunehmen, ist sinnvoll. Meine verbaute Griffheizung funktionierte aber so gut, dass die ganz dicken Winterhandschuhe über den Pass im Koffer bleiben konnten. Wie immer spielt dabei aber auch das persönliche Kälteempfinden dabei eine entscheidende Rolle.

Unsere Motorräder waren gut vorbereitet. Neue Reifen und neuer Kettensatz sind vor der Containerverladung Pflicht, da die kurzfristige Beschaffung von Verschleißteilen vor Ort in Südamerika nicht immer möglich ist. Sollten die benötigten Reifen/Teile dann doch vorhanden sein, sind diese oft um den Faktor 2-3 teurer als in Deutschland. Die meisten Motorräder, die wir in der Halle der Spedition gesehenen haben, hatten dann auch nagelneue Reifen aufgezogen. Die Fahrt verlief technisch problemlos: keine Panne, keine Ausfälle. Die wenigen negativen Zwischenfälle waren ein Wespenstich in meinem Gesicht, nachdem sich während der Fahrt eine Wespe in meinen Helm verirrt hatte, und Ollis kurzer Übelkeitsanfall, der nach einigen Stunden wieder vorbei war.

Unterm Strich war es eine kurze, aber sehr eindrucksvolle Reise mit einer besonderen Herausforderung, großartigen Landschaften und einigen schönen Orten. Ein schönes zusätzliches Erlebnis war die Überfahrt über den Río de la Plata mit der Schnellfähre – eine willkommene Abwechslung auf dieser Tour. Unser wichtigstes Ziel auf dieser Tour haben wir erreicht, wir haben die Motorräder nun in Colonia del Sacramento in Uruguay, untergestellt. Damit ist das eigentliche Ziel dieser Reise erreicht und zugleich ist die Grundlage für die nächsten Etappen geschaffen. In knapp einem Jahr soll es, mit „Miss Wong“ und der BMW 800 GS von Olli dann, von Uruguay aus, weitergehen.



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