Freitag, 14. Februar 2025

Tag 4 => Pinguin-Wimmelbild => Punta Arenas - Cerro Sombrero

Donnerstag, 13.02.25
gefahrene Kilometer: 215 km

Wir treffen uns bereits um 06:00 Uhr morgens in dem Büro der Agentur „Solo Expeditiones“ in der Innenstadt von Punta Arenas. Heute haben wir einen Ausflug gebucht. Es geht zu den ca. 20.000 Magellan-Pinguinen auf der „Isla Magdalena“. Wir fahren ca. dreißig Minuten mit einem Bus zu dem Bootsanleger der Agentur. Mit dem Boot geht es dann in ca. einer Stunde auf die Insel. Wir werden über die Zahlreichen Regeln informiert (nicht essen, nicht trinken, immer zwei Meter Abstand zu den Pinguinen, den Weg kreuzende Pinguine haben Vorfahrt, etc.) und dann dürfen wir in Begleitung von zwei Rangern einen Rundweg laufen, der mit Seilen markiert ist und mitten durch die Pinguin-Kolonie führt. Überall wimmelt (siehe Titel) es von Pinguinen. Wir haben wirklich Glück mit dem Wetter, sogar die Sonne kommt manchmal durch (0:2 gegen den Pinguin), so dass sehr schöne Fotos von den Pinguinen entstehen. Faszinierende Tiere, wie ich finde. Die eine Stunde „Freizeit vor Ort“ vergeht schnell, dann geht es auf dem gleichen Weg, erst Boot, dann Bus, wieder zurück in unser Hotel.

Wir packen unser Gepäck auf die Motorräder und sind gegen 11:45 Uhr zurück auf der Straße. Wir wollen heute nach Feuerland rüber, wir fahren die ca. 170 km bis zur Fähre in ca. zwei Stunden und stehen um ca. 13:00 Uhr an der Fähre. Wir müssten jetzt EIGENTLICH mit der Fähre über die Magellanstraße. Eigentlich… Wir stellen die Motorräder am Fähranleger ab, sofort kommt ein offizieller vorbei und gibt uns zu verstehen, dass die Fähren in den nächsten Stunden keine Motorräder mitnehmen, da es zu windig (Windstärke 9) dafür ist. Kurz nach dieser Aussage wurde der Fährbetrieb dann bis auf weiteres -für alle- ganz eingestellt. Jetzt stehen wir doof da. Die Hotels sind vorreserviert und unser Tagesetappen sind eng geplant. Was solls… einige einheimische, die die Strecke öfter fahren, sagen das es abends meist windstiller wird und die Fähren den Betrieb dann wieder aufnehmen. Wie auch immer, es scheint ein langer Tag zu werden.

Nutzen wir die (Warte-) Zeit und verlieren ein paar Worte zur Magellanstraße. Die Magellanstraße ist eine Meerenge zwischen dem südamerikanischen Festland und der Insel Feuerland. Sie verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Ferdinand Magellan fand 1520 diese Durchfahrt. Die Magellanstraße ist von Ost nach West ca. 600 km lang.

Es werden fast neun zähe Stunden des Wartens. Mittlerweils sind ca. 50 Motorradfahrer im Hafen versammelt. Man(n) kommt ins Gespräch, allerdings sprechen die meisten der nun versammelten Biker nur spanisch oder portugiesisch, wir aber nur englisch oder deutsch. Einige Biker sprechen aber auch spanisch UND englisch. Das ist gut. Das spanisch ist wichtig, um sich mit den Hafenarbeitern zu unterhalten und die neuesten Infos zu bekommen, anschließend bekommen wir dann diese Infos ins Englische übersetzt. So kommen wir gut durch den Nachmittag, sprechen ein wenig „Benzin“ und bekommen die aktuellen Infos zur Lage. Abends gegen 21:30 Uhr legt sich der Wind und nach mehrmaligem Verschieben der Abfahrtszeit geht es nun endlich los. Die Zwischenzeit haben wir genutzt um unsere „Hotelstrategie“ zu ändern. Wir wollten, nach Ankunft auf Feuerland, noch 250 Kilometer bis Rio Grande fahren. Das hat sich allerdings nach der langen Wartezeit erledigt, da wir im Dunkeln nicht noch so eine lange Strecke fahren wollen. Im Gespräch mit den anderen Motorradfahrern haben wir den Tipp für ein Hotel bekommen welches nur ca. 40 km nach Ankunft „auf der anderen Seite“ liegt. Ein spanisch sprechender Tourguide einer Reisegruppe hat freundlicherweise dort für uns angerufen und die Buchung klar gemacht. Zeitgleich konnte ich das bereits gebuchte Hotel in Rio Grande kostenlos stornieren. Passt!

Nach einer ca. dreißig Minütigen, ziemlich schaukeligen Überfahrt, haben wir es dann endlich geschafft. Wir erreichen Feuerland. Nach weiteren ca. 30 Minuten Fahrzeit bei einstelligen Temperaturen und heftigem Wind erreichen wir unser Hotel in Cerro Sombrero. Der Tag war echt lang, obwohl wir nur ca. 215 km gefahren sind. Gegen 23:00 Uhr ist unser Zimmer eingeräumt und wir können für heute so langsam „Schluss machen“


Donnerstag, 13. Februar 2025

Tag 3 => Lama, Kondor und Co => Puerto Natales - Punta Arenas

Mittwoch, 12.02.25
gefahrene Kilometer: 277 km

08:00 Uhr morgens, wir drücken auf den Anlasser. Wir kommen früh weg, da wir früh aufgewacht sind und das Hotel zudem Frühstück ab 06:00 Uhr anbietet. Die gute Nachricht zuerst: es steht 0:1 gegen den Pinguin. Warum? Es ist kein Pinguin-Wetter! Wir starten bei 10 Grad ohne Regen, gegen Mittag werden es sogar 15 Grad mit Sonne und Wolken im Mix. Hätte schlimmer kommen können, einige der wärmeren Kleidungsstücke dürfen heute sogar im Koffer bleiben. Es reichen sogar die „nicht ganz so dicken“ Handschuhe, allerdings gibt es doch einen Wetterfaktor der anstrengend ist: der Wind! Der Wind kommt von der Seite und ist extrem. Wir fahren oft mit Schräglage und wenn ein LKW von vorn kommt muss man die Turbulenzen gut im Griff haben. Wir gewöhnen uns daran, anstrengend ist es trotzdem. Wir folgen der „Routa 9“ in Richtung Süden. Im Prinzip gibt es bis zu unserem Tagesziel (fast) keine anderen Orte. Die Orte die vorhanden sind, bestehen meist nur aus einer Farm (spanisch: „Estancia“). Auf einer dieser (Estancia Olga Teresa) Farmen halten wir kurz an, da dort geführte Kondor-Beobachtungen angeboten werden. Da die Inhaber der Farm aber 165 (!) Dollar pro Person haben wollten, haben wir dankend abgelehnt.

Von der Fahrtstrecke her würde ich es so beschreiben: ausgedehnte Graslandschaften mit gelb vertrocknetem Gras, ab uns zu Bäume, mal mehr mal weniger, ab und zu Büsche, mal mehr mal weniger. Ein Teil der Strecke ist geschottert. Wir folgen der Ausschilderung „Fin del Mundo“. Ah ja, hier geht es also „zum Ende der Welt“ zumindest nach chilenischer Auslegung. Unterwegs sehen wir Lamas, Guanakos, Schafe und natürlich Kondore (…für „Null“ Dollar, siehe auch oben). Der Andenkondor hat eine Spannweite von bis zu drei Metern und kann bis zu 15 Kilo wiegen. Die Fotos mit dem Handy werden da natürlich nix, gut das noch die „gute alte“ Spiegelreflex mit dem Teleobjektiv dabei ist. Thomas fährt vor mir, ein Kondor fliegt parallel zu unseren Motorrädern in ca. 10 Metern Höhe kurz parallel mit, kurz kann man die Dimensionen gut erkennen, wow …was für ein Riesen Vogel.

Kurz vor Ende der Tagesetappe passiert es dann: wir fahren eine Schotterstrecke die von Baufahrzeugen gerade bearbeitet wird. Der frisch aufgetragene Schotter ist ca. 15-20 cm hoch und sehr weich. Olli kommt mit seinem Motorrad ins Schlingern und liegt mit dem Motorrad schneller auf der Seite „als wir gucken können“. Wir heben zusammen das Motorrad auf, Olli ist wohlauf hat aber Knieschmerzen. Mal sehen wie uns das Thema in den nächsten noch weiter begleitet.

Am Nachmittag kommen wir in Punto Arenas an und beziehen unser Hotel. Punta Arenas liegt im äußersten Süden Chiles, am Festland gegenüber Feuerland und ist mit ca. 125.000 Einwohnern größte Stadt in Südpatagonien. Punta Arenas streitet sich mit anderen Städten um die Auszeichnung als südlichste Stadt der Welt, ist aber die zumindest die südlichste Großstadt der Welt.

Olli bleibt am Nachmittag im Hotel und schont sein Knie. Thomas und ich schlendern noch ein wenig durch Punta Arenas. Ich sage mal so: aus meiner Sicht hat Olli nix verpasst, die Stadt ist jetzt nicht super herausgeputzt, mehr so „normal“, die Strandpromenade ist relativ kurz und könnte eine Modernisierung vertragen. Einige Denkmäler, die alle so in Richtung „Seefahrt“ gehen, sind an der Promenade zu sehen. Ich war jetzt mal in Punta Arenas, aber wirklich sehenswert ist hier, aus meiner Perspektive, nix.




Mittwoch, 12. Februar 2025

Tag 2 => die Motorräder warten auf uns => Santiago de Chile - Puerto Natales/Patagonien

Dienstag, 11.02.25
gefahrene Kilometer: 3 km

04.40 Uhr morgens in unserem Hotel in Santiago de Chile, wir wachen ohne Wecker früh auf. Unsere innere Uhr ist noch auf „plus vier Stunden“ eingestellt. Passt aber prima, um 06:45 Uhr kommt unser Shuttleservice der uns in einer ca. halben Stunde Fahrt zum Flughafen bringt. Heute fliegen wir mit der Fluglinie „LATAM“ nach Puerto Natales. Puerto Natales hat ca. 20.000 Einwohner, ist ca. 2.800 Straßenkilometer südlich von Santiago de Chile und befindet sich in der Region Patagonien. Patagonien ist der Teil Südamerikas, der sich südlich der Flüsse Río Colorado in Argentinien und Río Bío Bío in Chile sowie nördlich der Magellanstraße befindet. Eine genau festgelegte Abgrenzung gibt es aber nicht.

In Puerto Natales angekommen, erwartet uns als erstes ein Temperatursturz: 10 Grad Celsius. Gegenüber dem gestrigen Tag sind das 30 Grad weniger!
Wir beziehen wir unser Hotel „Lady Florence Dixie“ und legen eine Mittagspause in einem nahegelegenen Restaurant ein. Das Restaurant hat einen Kantinenartigen Charakter, da es aber voll besetzt mit einheimischen Gästen ist, beschließen wir auch einzukehren. Wir wurden nicht enttäuscht, das Essen war schmackhaft und relativ preiswert.

Nach dem Essen ist es dann endlich soweit. Nach drei Tagen Anreise und insgesamt 18,5 Stunden reiner Flugzeit konnten mir jetzt unsere Motorräder hier beim Vermieter in Empfang nehmen. Drei Motorräder chinesischer Produktion vom Typ „CFmoto 450 MT“ stehen beim Mechaniker „Samuel“ vor dem Haus und glänzen in der Mittagssonne. Samuel spricht kein Englisch, aber mit Hilfe der Spanischkenntnisse von Thomas war die Übergabe incl. Papierkram in ca. einer Stunde erledigt. Die Motorräder sind frisch gewartet und machen einen guten Eindruck. Mal sehen ob dieser Eindruck auf den nächsten 4.000 km Bestand hat.

Nach der Übernahme der Motorräder geht es zurück zum Hotel. Hier ist jetzt umpacken angesagt. Wir müssen vom Modus „alles war so verpackt das wir es im Flugzeug gut mitnehmen konnten“ in den Modus „alles muss jetzt in den Koffern und Packtaschen so verstaut werden das man es auf dem Motorrad unter bekommt“ wechseln. Diese Packprobe dauert ca. zwei Stunden. Ob es wirklich alles sinnvoll umgepackt wurde, wird sich morgen bei der ersten Fahretappe zeigen.

Am frühen Abend gehen wir noch einmal auf die Straße um noch eine Kleinigkeit zu essen. Wir werden in einem Souvenirladen fündig, der auch gleichzeitig Restaurant ist. Eine interessante Mischung die aber bei den Gästen gut ankommt, der „Laden“ ist voll. Ich überlege kurz welches Maskottchen mich wohl am besten auf dieser Tour auf meinem Motorrad begleiten könnte, ich werde im „Restaurant-Souvenirladen“ fündig und entscheide mich, aufgrund der zu erwartenden Wetterlage, für einen Pinguin. „Paul Pinguin“ wir morgen früh am Motorrad befestigt.

Für heute sage ich „Gute Nacht“


 



Dienstag, 11. Februar 2025

Tag 1 => „START“ => „LONG WAY DOWN“ => Anreise + Santiago de Chile

Sonntag, 09.02.25
gefahrene Kilometer: 0 km

Es geht wieder los. In Vorbereitung auf diese Reise überlege ich seit Tagen, welches Motto ich dem ersten Tag spendieren könnte. Ich habe mich für „LONG WAY DOWN“ entschieden. Ewan McGregor (euch sicher bekannt aus „Star Wars“) und Charley Boorman mögen mir verzeihen das ich mir hier den Titel ihrer Motorradreise (von Schottland nach Kapstadt) aus dem Jahr 2007 „ausgeliehen“ habe. Wobei ich bei meinem Titel eher auf die lange Anreise zu unseren (Miet-) Motorrädern vor Ort in Chile denke, als an die selbst zu fahrende Strecke.

Sonntag, mittags 13:00 Uhr. Ich fahre mit meinem Auto zu Olli und hole ihn ab. Gemeinsam fahren wir dann zu Thomas und stellen das Auto bei ihm ab, Thomas Ehefrau Ines fährt uns zum Flughafen nach Hannover. Prima, so sparen wir uns die Parkplatzgebühr am Flughafen. Danke dafür, Ines.

In Hannover angekommen sind es noch ca. 2,5 Stunden bis zum Abflug nach Amsterdam. Die Zeit vergeht sehr schnell, da wir bei der Kofferabgabe auf eine Gruppe junger Leute treffen und eine junge Frau aus der Gruppe uns auf unsere Motorradklamotten anspricht. Es stellt sich heraus, dass sie Lehrerin ist und mit ihrer Schulklasse unterwegs nach England ist. Sie fährt auch Motorrad. Aber nicht „nur“ Motorrad, sondern auch ziemlich anspruchsvolle Offroad Strecken im In und Ausland. Unser Respekt gehört ihr!

Ab Hannover fliegen wir in entspannten 45 Minuten Flugzeit nach Amsterdam. In Amsterdam angekommen muss ich noch schnell eine „Umzieh-Aktion“ durchführen. Unsere Reisegruppe hatte vorab beschlossen sämtliche Motorradkleidung „am Mann“ zu behalten, da wir vermeiden wollen (aus Gepäckverlust-Erfahrung aus vergangenen Flügen), dass unsere Motorradkleidung nicht mit uns zusammen in Santiago ankommt. Da die Tage eng durchgetaktet sind, können wir uns es nicht erlauben noch einige Tage vor Ort auf unser Gepäck und somit auf unsere Motorradkleidung zu warten. Daher: alles was zum Motorradfahren notwendig ist (Helm, Jacke, Hose, Stiefel, Handschuhe, etc.) ist heute mit im Handgepäck…und da es so viel „Zeugs“ ist, hatte ich dieses Mal die Motorradhose und die Stiefel bis Amsterdam angezogen. Da ist aber keine Lust auf 13 Stunden Flug in Motorradklamotten habe, packe ich mir in Amsterdam aus einer meiner beliebten „Aldi-Pfandflaschentüte“ ein zweites Handgepäckstück und ziehe mich noch mal in „zivil“ um. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es (wenn du erstmal am Schalter „durch“ bist...) niemanden im Flieger interessiert mit wieviel Handgepäck du einsteigst.

Die Maschine startet pünktlich gegen 21:30 Uhr. 13,5 Stunden Flugzeit und 11.500 km Flugstrecke für den ersten Flug bis nach Buenos Aires liegen vor uns. Ich habe Glück, ich sitze in einer Dreierreihe auf Platz 21c und der Mittelplatz ist frei. Das hilft schon mal sehr auf der langen Strecke. Zudem sitze ich in der „Economy Comfort“ Klasse, heißt normale Eco Sitze, aber 10 cm mehr Beinfreiheit und die Lehne geht 5 cm weiter zurück als in der Standard-Eco. Sehr angenehm. Die „Essensversorgung“ und die Breite der Sitze entsprechen aber der normalen Economy. Dazu muss man wissen, dass KLM vier Klassen an Bord unseres heutigen „Dreamliners“ (Boeing 787-9) hat: Economy, Economy Comfort, Premium Economy, Business. Die ca. 120 Euro Aufpreis zur Economy haben sich bei dieser Flugstrecke für mich gelohnt, wie ich (natürlich subjektiv) finde. Übrigens: Da Thomas, Olli und ich zu unterschiedlichen Zeiten die Flüge gebucht hatten, sitzt Olli in Reihe 36 und Thomas sitzt in Reihe 15. Nach dem das erste Essen „durch“ ist (das dauert immer so 2 bis 2,5 Stunden bis nach Abflug), schlafe ich ca. 4 Stunden, werde dann aber durch ein schreiendes Baby (ein paar Reihen hinter mir) geweckt. Merke („Murphys Gesetz“): es gibt immer einen Arzt an Bord…aber immer auch schreiende Babys 😊. OK, dann schreibe ich jetzt halt diese Zeilen mitten in der Nacht. Nach ca. acht Stunden Flugzeit erreichen wir (nach ziemlich viel “Wasser“) die Nordost Küste Brasiliens. In Buenos Aires angekommen, heißt es „Alle Mann für 90 Minuten aussteigen“. Die Maschine wird für den Weiterflug aufgetankt. Nach dem (Wieder-) einstieg liegen nun noch weitere ca. zwei Stunden Flug zu unserem Ziel „Santiago de Chile“ und 1.200 km vor uns .

Der erste Eindruck in Santiago: Es ist „Brettheiss“. In Amsterdam bei 5 Grad Celsius gestartet sind es hier 36 Grad, wir haben laut Wetterbericht den heißesten Tag der Woche erwischt. Naja, sehen wir es als Belohnung für das nasskalte Wetter was uns in den nächsten Tagen im Süden erwartet. Ist schon krass, so verschieden Temperaturen in einem Land. Stellt euch vor: Hamburg, 5 Grad und in München sind es zeitgleich 36 Grad. Ok, der Vergleich hinkt ein wenig. Chile ist ca. 4.300 km lang und übrigens im Schnitt nur ca. 180 km breit.

Jetz schnell noch ein paar „Pesos“ (Kurs 1:1000, heißt 1 Euro = 1000 Pesos) am Flughafen aus der „Piepenmaschine“ gezogen und zum Ausgang, wo unser bestellter Fahrer auf uns wartet. Ich habe mich für diese Fahrt gegen ein Uber Taxi entschieden, da die Uber-Autos oft sehr klein sind, wir aber „höllenviel“ Gepäck dabeihaben. Insofern habe ich mal einen Kleinbus geordert. Kosten entsprechen dem von zwei Uber Taxis die wir bei der Gepäckmenge eh hätten nehmen müssen, passt also vom Preis ins Budget.

Wir fahren ca. 30 Minuten zu unserem Hotel namens „RQ Hotel“ welche mitten in der City liegt. Wir checken ein, es ist jetzt mittags. Jetzt haben wir einen halben Tag für „Sightseeing“ eingeplant. Wir gehen auf die Straße und lassen uns ein wenig treiben. Als erstes zum Präsidentenpalast, dann durch die Fußgängerzone zum innerstädtischem „Hausberg“ Cerro Santa Lucia. Die Stadt lässt sich aus ca. 70 Metern Höhe vom dortigen Aussichtspunkt gut beobachten. Zwischendurch gibt es einheimische Kost am Straßenrand: Empanadas mit Käse gefüllt.

Am Abend, gegen 19:30 Uhr, haben wir noch eine Verabredung. Wir treffen uns mit Martin in einer ursprünglichen chilenischen Kneipe. Martin ist ein deutscher Motorradreisender, der nach seiner Reise auf der Panamericana in Chile geblieben ist. Martin hat eine Firma gegründet die das Problem „beseitigt“ das alle Ausländer in Chile haben, wenn sie ein Motorrad/Fahrzeug hier kaufen möchten. Als Ausländer braucht man z.B. eine chilenische Sozialversicherungsnummer zum Kauf eines Fahrzeuges. Die bekommt man als Ausländer nur als „Investor“…und wenn man ein Motorrad kauft, ist man Investor. Wir hören uns das heute von Martin mal an, was es da für Optionen gibt. Evtl. sind diese Infos bzw. diese Vorgehensweise (Motorradkauf vor Ort) ja hilfreich für die Planung und Durchführung weiterer Reisen in Südamerika. Vorteil: ein Fahrzeug mit chilenischem Kennzeichen darf ewig im Land bleiben, so könnten wir die Maschine hier -analog zu unserem Motorrad in Kanada- auf Jahre benutzen und zwischendurch einlagern. Wie schon an anderer Stelle erwähnt funktioniert das mit einem „ins Land gebrachtem“ Motorrad nicht, das darf nur 90 Tage bleiben, danach wird es beschlagnahmt, oder wenn du Glück hat, darfst du „nur“ als Strafe den Zeitwert an die Zollbehörde bezahlen um dein Motorrad wieder zu bekommen.

Gegen 22:00 Uhr geht der Tag dann in unserem Hotel zu Ende und wir fallen müde in unsere Betten.




Sonntag, 29. Dezember 2024

INTRO Südamerika => Abschnitt 7 => Mit dem Mietmotorrad! Mit dem Mietmotorrad?

 




In genau sechs Wochen geht es los. Normalerweise schreibe ich an dieser Stelle vor jeder Reise/jedem Reiseabschnitt keine großen Erklärungen, sondern starte gleich mit dem Bericht am Anreisetag, aber dieses Mal bedarf es etwas Erklärung, insbesondere warum ich das erste Mal kein eigenes Motorrad „zur Bewältigung“ der Strecke verwende.

Starten wir mit einem Rückblick…

Im Jahr 2021 startete ich den ersten Anlauf in Richtung Chile. Ich hatte mir eine „Royal Enfield Himalayan“ gekauft, entsprechend ausgerüstet und wollte diese per Container nach Chile verschiffen. Die Gespräche mit dem Spediteur waren zu diesem Zeitpunkt schon in vollem Gange. Die eigentliche Reise sollte Anfang 2022 stattfinden. Irgendwann in 2021 hat Chile dann eine Quarantäne (Stichwort Covid Pandemie) bei Einreise verpflichtend eingeführt (so wie viele Reiseländer). Das wollte und ich mir nicht antun und außerdem hätte es meinen Rahmen an verfügbaren Urlaubstagen gesprengt. Also wurde die Planung wieder auf Eis gelegt.

Im Laufe des Jahres 2022 hatte ich noch mal das Thema aufgegriffen und für eine mögliche Verschiffung nach Chile erst eine, bei mir zuhause vorhandene, Yamaha Ténéré 700 und später eine Suzuki V-strom 650 XT ausgerüstet, immer in der Hoffnung das das Thema Covid incl. Quarantäne vor Ort sich zeitnah erledigt und ich starten kann. Die Geschichte hat uns ja, in der Rückschau betrachtet, gezeigt das Covid nicht zeitnah zu Ende war. Nach diesem zweiten Anlauf hatte ich das Thema dann komplett „zur Seite gelegt“

Anfang 2024, nach weiteren Reisen in die USA und Kanada, hatte ich das Thema „Planung Südamerika“ nun erneut, mittlerweile zum dritten Mal, aufgegriffen. Diese Reise sollte/soll nun im Februar 2025 stattfinden. Dieses Mal stand eine bereits in der heimischen Garage vorhandene Suzuki 800 DE, eine ebenfalls vorhandene Suzuki 1050 DE oder eine BMW 1100 GS („Alteisen“) zur Auswahl bezüglich „welche Maschine soll es denn werden zur Verschiffung“?

Wichtig an dieser Stelle ist, dass man sich mit den zollrechtlichen Bestimmungen der einzelnen Länder beschäftigt. Ich habe das ja an anderer Stelle schon ausführlich(er) beschrieben, hier nur so viel: die meisten Länder südlich von Mexiko erlauben es nur ein Fahrzeug max. 3 bis 6 Monate im Land zu belassen. Danach wird es konfisziert und/oder man muss mit drakonischen Strafen rechnen. Mittlerweile haben die entsprechenden Länder auch zum größten Teil ein IT-System in dem das Fahrzeug eingetragen wird. In diesen Systemen kann der Zoll deine Reise nachvollziehen, egal wo du ein -oder ausreist. Je nach Land wird das Fahrzeug auch in deinem Pass eingetragen, somit ist auch hier keine Ausreise möglich ohne dass das Fahrzeug aus deinem Pass ausgetragen wird. In diesem ganzen Kontext sticht ein Land heraus: Uruguay, hier dürfen Fahrzeuge 12 Monate im Land belassen werden, wenn man selbst ohne Fahrzeug, das Land verlässt. (es gibt noch Ausnahmen in Costa Rica und Panama, aber wir reden ja hier an dieser Stelle über Südamerika und nicht Mittelamerika)

Da die Südamerikareise wieder mit meinem Kumpel Olli zusammen erfolgt, (Olli kennt ihr schon aus manchen der beschriebenen Reisen in Alaska und Kanada) hatte ich mit Olli nun mehrfach und über Wochen, im Verlauf des Jahres 2024, die Fakten und Risiken diskutiert. Wenn wir unsere Motorräder in Uruguay abstellen, sind wir in der Lage WIRKLICH innerhalb von 12 Monaten noch einmal wieder hinzufliegen, damit die Motorräder nicht im „Worst case“ konfisziert werden?

Beachten muss man bei dieser Planung dann auch das es von Ushuaia bis Montevideo (im Prinzip bis Buenos Aires und dann per Fähre rüber nach Montevideo) gut 3.000 (recht eintönige) Kilometer auf der „Routa 3“ durch Ost-Patagonien fahren muss. Dies bedeutet dann gut fünf anstrengende Fahrtage á 600 Kilometer. Da mein Motto immer noch „von Alaska bis Feuerland
IN ARBEITNEHMERFREUNDLICHEN Etappen“ ist, muss man auch einplanen, das man zu der eigentllichen Fahrtstrecke, die einen nach Punta Arenas, Ushuaia und Co führt, dann noch eine extra Woche Urlaub, nur für die besagte Rückreise, nehmen muss.

Nun komme ich an dieser Stelle so langsam zum Titel dieses Intros zurück. Nach Abwägung aller Unsicherheiten bezüglich einer erneuten Reise innerhalb von zwölf Monaten und der Maßgabe diese Reise in einem Zeitraum vom ca. 2,5 Wochen durchzuführen habe ich mich nun erstmalig, nach nun sieben Motorradreisen im Kontext „Panamericana“, für ein Mietmotorrad entschieden. Olli trägt diese Entscheidung mit und hat ebenfalls vor Ort gemietet. Thomas (ihr kennt ihn schon als Überführungsfahrer der KLR 650 „Lady Blue“. Er überführte die Maschine im Juli 2022 von Whitehorse nach Vancouver) hat sich innerhalb von wenigen Stunden entschieden auch mit dabei zu sein. Somit fahren wir diese Tour, die den Süden ab Santiago de Chile abdeckt, zu dritt.

Zusammenfassend hat das Thema Südamerika für mich bisher (naja, Mittelamerika fehlt ja noch) den höchsten Planungsaufwand bedeutet. Drei Planungsanläufe, sechs mögliche Motorräder zur Verschiffung waren in Vorbereitung, dreimal war ich jeweils einige Wochen mit dem Spediteur bezüglich Verschiffung in Kontakt……

……und nun wird es ein MIETMOTORRAD :-)