Freitag, 30. Oktober 2026

Tag 5 => Strecke machen, das Ziel „Uruguay“ voraus => Labalouye – Buenos Aires – Colonia del Sacramento

Donnerstag, 29.10.26
gefahrene Kilometer: 600 km

 


Um sieben Uhr ist es hell, und wir starten wieder früh. Unser Ausgangspunkt ist das Hotel Colonial, das wir gestern erst wenige Stunden vor unserer Ankunft ganz spontan gebucht hatten. Nach einem kurzen Rechnen und Abwägen war klar: Die rund 600 Kilometer, die wir uns für heute aufgehoben haben, sind noch ein gutes Stück Arbeit. Also lieber zeitig los, mit Buenos Aires als Ziel und der Fähre nach Uruguay fest im Blick. Wir fahren grob nach Osten beziehungsweise Südosten über ausgebaute Land- und Bundesstraßen. Auffällig ist der enorme Lkw-Verkehr: Gefühlt sind auf den Fernstraßen acht von zehn Fahrzeugen Lastwagen, während nur wenige Pkw unterwegs sind. Auch der Straßenbelag verlangt Aufmerksamkeit. Immer wieder tauchen größere Schlaglöcher auf, die man besser rechtzeitig erkennt. Nach ungefähr zwei Stunden sehe ich Olli plötzlich nicht mehr im Rückspiegel. Ich drehe um und finde ihn am Straßenrand: Ihm ist übel geworden, das Frühstück musste wieder heraus, und er ist ziemlich blass. Können wir überhaupt weiterfahren? Kann Olli überhaupt auf dem Motorrad sitzen? Wir diskutieren und wägen einige Möglichkeiten ab. Mit ein paar Medikamenten und kürzeren Etappen aber dafür längeren Tank- und Toilettenpausen schaffen wir es, weiterzufahren. Zum Glück spielt das Wetter mit: Anfangs sind es etwa 15 Grad, später angenehme 25 Grad bei blauem Himmel. So kommen wir unserem Ziel Kilometer für Kilometer näher.

Je näher wir Buenos Aires kommen, desto dichter wird der Verkehr. Rund 100 Kilometer vor der Stadt nimmt er spürbar zu, und auf den letzten 50 Kilometern wird es richtig voll. Fünf Fahrspuren, Industrie- und Wohngebiete, Fast-Food-Restaurants, Geschäfte und Tankstellen ziehen sich entlang der Autobahn. Ich kenne Buenos Aires bereits von einem Familienaufenthalt und weiß, dass die Innenstadt sehr schön sein kann. Mit dem Motorrad ist die Anfahrt allerdings anspruchsvoll, stellenweise erinnert mich das Gewusel mit fünf oder sechs Spuren an den Verkehr rund um Los Angeles. Die letzten Kilometer führen uns direkt am Obelisken in der Innenstadt vorbei. Die Stimmung nach diesem anstrengenden Fahrtag hebt sich mit dem Anblick des Fährhafens und auch Olli geht es gesundheitlich wieder besser.

Die Überfahrt nach Uruguay haben wir bereits vorgebucht. Wir entscheiden uns für die Fährgesellschaft „Colonia Express“ und die Fähre um 18.30 Uhr nach Colonia del Sacramento. Gegen 17 Uhr erreichen wir das Gelände von Colonia Express – anderthalb Stunden vor der Abfahrt um 18.30 Uhr. Vor dem Boarding steht noch ein organisatorischer Abschnitt an. Da die Grenze zwischen Argentinien und Uruguay mitten im Río de la Plata verläuft, müssen die Ausreise aus Argentinien, die Einreise nach Uruguay und die entsprechenden zollrechtlichen Formalitäten bereits im Terminal erledigt werden. Dafür planen wir ungefähr eine Stunde ein. Am Zufahrtstor zum Fährterminal werden die argentinischen Fahrzeug- und Zollformalitäten erledigt, während ein Agrarkontrollhund unsere Motorräder und Gepäckstücke gründlich beschnüffelt. Wir nennen ihn liebevoll den „Bifi-Hund“: Olli hatte Bifis als Snack im Gepäck, die aber während der Einreise nach Chile von den Agrarbehörden einkassiert worden waren. Chile und Argentinien achten streng darauf, dass keine unerlaubten Fleisch- oder Fruchtprodukte ins Land gelangen. Das Motorrad ist nun aus Argentinien ausgereisst nun müssen nun noch wir selbst ausreisen. Dazu geht es für uns in das Fährterminal. Dort erledigen wir die Ausreise aus Argentinien und die Einreise nach Uruguay. Beide Länder sind hier, wie auch schon bei der letzten Grenzübertretung von auf dem Pass zwischen Chile und Argentinien, in einem Gebäude vertreten. An einem Fenster wird unsere Ausreise dokumentiert, am Fenster neben an dann die Einreise nach Uruguay. Unsere Pässe bekommen einen uruguayischen Stempel. Anschließend warten wir im Lounge-Bereich auf die Schnellfähre. Die Überfahrt ist unspektakulär und dauert ungefähr eine Stunde und 15 Minuten., die ich nahezu in meinem Sessel verschlafe.

Wir legen direkt in Colonia del Sacramento an und wollen direkt los, da werden wir vom Personal noch darauf hingewiesen das wir als Personen ja schon eingereist sind, aber das Motorrad noch nicht. Wir müssen noch einmal zum Zoll im Hauptgebäude und unseren „Temporären Import“ für unsere Motorräder durchführen. Stimmt, fast vergessen, wir dachten das wäre auch schon im Hafen von Buenos Aires mit erledigt worden. Die Prozedur ist allen Grenzen immer (grob) gleich: Pass vorzeugen, den deutschen Fahrzeugschein und, hier das erste Mal, auch der Versicherungsnachweis für Uruguay. Die Versicherung hatten wir und schon vor der Abreise besorgt. Diese deckte die „Mercosur“-Länder ab (Mercosur ist ein Handelsabkommen ähnlich unserer EU). Die Versicherung gilt also in den meisten Ländern Südamerikas, das macht es einfach für uns hier zu reisen.

Das Hotel liegt nur ca. einen Kilometer vom Hafen entfernt in der Altstadt von Colonia del Sacramento und somit erreichen unser Hotel „Posada el capullo“ in der Altstadt nach Verlassen des Hafens mit den Motorrädern nach wenigen Minuten. Die Lage ist perfekt, eine kurze Dusche, gegen 21:00 Uhr besuchen wir noch ein Restaurant „um die Ecke“ und beschließen den Tag mit einem Abendessen. Wir sind angekommen und Oli geht es gesundheitlich wieder gut. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Für heute lassen wir es gut sein.

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