gefahrene Kilometer: 260 km
Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Motorradübernahme. Den Termin mit unserem deutschsprachigen Ansprechpartner Ronny haben wir bereits Wochen zuvor genau abgestimmt. Ronny ist in der Motorradreiseszene gut bekannt und übernimmt vor Ort die Koordination der Zollabwicklung, der notwendigen Formalitäten und der Übergabe Unser Zeitplan ist eng, deshalb muss die Abholung an diesem Tag funktionieren. Wir haben schon vorab das passende Containerschiff so gewählt, das laut Fahrplan die Motorräder mindestens 2-3 Wochen vor uns in Valparaiso ankommen. Sicher ist sicher...
Wir verlassen unser Hotel früh und treffen Ronny gegen 9 Uhr am Zollgebäude im Zentrum von Valparaíso. Nach einer kurzen Begrüßung beginnt die Zollbehörde, welche sich direkt an unserem Treffpunkt befindet, mit der Arbeit. Die Bearbeitung der Papiere dauert ca. 45 Minuten. Wir nutzen diese Zeit und gehen gemeinsam mit Ronny, einem seiner Mitarbeiter und Tino aus Chemnitz (Tino holt auch heute sein Motorrad hier ab) in ein Café in der Nähe. Nach ca., 45 Minuten unterschreiben wir unsere notwendigen Zolldokumente im Gebäude des Zolls. Anschließend fährt Ronny mit uns ca. 5 km außerhalb von Valparaiso zu einem großen Gelände, dem sogenannten „trockenen Hafen“. Hier stehen hunderte von Containern und es gibt ein paar Hallen auf dem Gelände. Wir werden wir mit Warnwesten und Helmen ausgestattet, denn nur entsprechend ausgerüstet dürfen wir das umzäunte und bewachte Zollgelände betreten. In einer der Hallen stehen zahlreiche Motorräder. Nach kurzer Suche entdecken wir unsere beiden Maschinen. Ein besonderer Moment, denn Anfang August haben wir die Motorräder in Hamburg abgegeben. Nun, Ende Oktober, stehen sie nach ihrer Reise über den Atlantik hier in Valparaíso vor uns. Bevor wir das Gelände verlassen können, wartet noch einiges an Arbeit.
Auf den Motorrädern befindet sich bereits ein großer Teil unserer Ausrüstung: Kleidung, Motorradbekleidung, Stiefel, Motorradhose, Handschuhe, Werkzeug, Ersatzteile und weitere Dinge. Da wir bei der Anreise bewusst nur das Nötigste im Handgepäck mitgenommen haben, muss jetzt alles sinnvoll verteilt, neu verpackt und für die nächsten Fahrtage vorbereitet werden. Am Ende soll jedes Teil seinen festen Platz haben und während der kommenden Tage schnell erreichbar sein. Die Batterien müssen wieder angeschlossen werden, für den Transport wurden die Batterien abgeklemmt, außerdem befindet sich nur die zulässige geringe Restmenge Kraftstoff in den Tanks. Es gibt einige kleinere Probleme, die wir aber schnell vor Ort lösen können. Ollis Batterie hat während des Motorradtransportes die Befestigungsschrauben der Anschlusskabel verloren und unsere Reifen haben nur noch ca. ein Bar Luftdruck. Wir haben Ersatzschrauben und einen Akku-Kompressor dabei, somit sind die Probleme schnell abgestellt bzw. behoben. Nach rund drei Stunden sind die Gepäcksortierarbeiten und die Zollformalitäten erledigt, Ronny hat sich um die Papiere gekümmert, das Gepäck ist verstaut, wir haben unsere Motorradkleidung angezogen und damit ist auch der organisatorische Teil unserer Anreise abgeschlossen und wir können mit den Motorrädern los.
Gegen 13:00 Uhr kommen fahren wir in Valparaiso los. Zuerst zu einer ca. 10 km entfernten Tankstelle, da die Tanks durch die Vorgaben des Spediteurs nahezu leer sind. Während des Tankens schaue ich auf mein Handy und entdecke das Tino mir geschrieben hat. Tino hatten wir ja bei der Abholung kennengelernt und wir hatten unsere Kontaktdaten ausgetauscht. Das macht sich nun für Tino bezahlt, er schreibt das er ohne Benzin kurz vor der Tankstelle liegengeblieben ist. Kein Problem, wir füllen unsere Ersatzkanister, fahren zurück und bringen ihm Ersatz Sprit. Biker helfen sich natürlich untereinander, hier wird niemand „hängen gelassen“. Wir nehmen an der Tankstelle noch ein gemeinsames kleines Mittagessen ein, dann trennen sich die Wege von Tino uns. Olli und ich fahren die ca. 150 km über die „Routa 60“ nach Los Andes. Die Stadt liegt rund 80 Kilometer nördlich von Santiago de Chile im Aconcagua-Tal auf einer Höhe von ca. 820 Metern über dem Meeresspiegel. Los Andes ist ein zentraler Knotenpunkt für den Transitverkehr zwischen Santiago und Mendoza und ist sozusagen der Eingang zum Gebirgspass von Chile nach Argentinien.
Da es erst früher Nachmittag ist, fahren wir noch etwas weiter als Los Andes. Ca. 30 km hinter Los Andes liegt der Kontrollpunkt zum Pass „Los Liberatores bzw. Christo Redentor“ auf 1.600 Meter Höhe. Hier wird entschieden ob eine Durchfahrt erlaubt ist oder ob an dieser Stelle die Straße gesperrt ist. Der Kontrollpunkt liegt ca. 30 km vor dem Gipfel des Passes. Um es kurz zu machen: der Pass ist heute geschlossen, da auf dem Gipfel es heftig geschneit hat. Wir hatten schon damit gerechnet wollten uns aber an der „entscheidenden Stelle“ selbst davon überzeugen. Wir fahren also zurück nach Los Andes, beziehen ein kurzfristig gebuchtes Hotel (Inca Hotel). Kleiner Trost: wir sind nicht allein. Vor dem Hotel stehen ca. acht weitere Motorräder einer brasilianischen Reisegruppe. Alle wollen „rüber“ nach Argentinien. In ca. 12 Stunden gibt es neue Infos von den Behörden. Wir warten weiter ab….
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